Breites Literatur-Spektrum bei LiLa-Spätlese

Martin Liening und Wolfram Hörmeyer Foto: ©Albrecht Dennemann

Bei der inzwischen 21. LiLa-Spätlese boten die beiden Organisatoren Martin Liening und Matthias Meyer-Langenhoff in der Kornmühle in Nordhorn mit ihren Gästen ein breites Literatur-Spektrum. Von Gedichten über Kurzgeschichten, einem Roman bis hin zu Poetry Slam und natürlich Musik mit „General-Musikdirektor“ Arno Heilgenberg reichte die Bandbreite.

Sinja Steenweg Foto: ©Albrecht Dennemann
Sinja Steenweg
Foto: ©Albrecht Dennemann

Nordhorn. Zugegebener Maßen scheint die LiLa-Spätlese ein Frauen-Programm zu sein – zumindest waren Männer unter den Besuchern unterrepräsentiert. Doch scheinen die beiden Macher Martin Liening und Matthias Meyer-Langenhoff mit ihrem Programm den Geschmack des Publikums zu treffen. Zum wiederholten Male war die LiLa-Spatlese auch bei der 21. Auflage ausverkauft. Ständig scheinen sie auf der Suche zu sein nach neuen Inhalten und Literaturformen um dem Einerlei nicht in die Falle zu tappen. „Mit 21 – auch nach meinem Verständnis – sind wir dann ja volljährig und dürfen auch was Erotomanischen machen“, leitet Liening ein, doch dieses Sujet war am Mittwochabend dann noch nicht zu hören.
Ganz an den Anfang hatten man die drei jungen Poetry Slamer vom Neuenhausener Gymnasium gesetzt. Sinja Steenweg, Chris Berens und Kira Müller hatten am Tage noch ihr mündliches Abitur absolvieren müssen und standen dann abends auf der Bühne. Im Seminarfach an der Schule waren sie in Kontakt mit dieser zeitgemäßen Literaturform gekommen. Kira Müller hatte im September vergangenen Jahres beim Wortwahl-Poetry-Slam in Bentheim die 28. Bentheimer Bürste als Preis gewonnen und sich dann auch für die U20 niedersächsisch-bremischen Landesmeisterschaften in Oldenburg qualifiziert. Als U20-Vize-Landesmeisterin kehrte sie dann nach Neuenhaus zurück. Dem zollte auch Matthias Meyer-Langenhoff Respekt: „Eine Vize-Meisterin hatten wir noch nicht hier auf der Bühne“. Diese Meisterschaft war ihr dann auch in ihrem freien und durch Gestik unterstützten Vortrag anzumerken. Kritisch setzte sich Müller in ihrem Text mit der Werbung und ihren oft „hohlen“ Versprechen auseinander. Chris Berens führte die Zuhörerinnen mit seiner Einleitung über eine Dreierbeziehung zunächst aufs Glatteis, ging es doch um seine „Liebe“ zu seinen Nike Air-Sneakern. Abgelesen hatte dann wie auch Chris Berens die dritte im Bunde Sinja Steenweg. „Überkomm“ es Berens beim Schreiben seiner Texte, so ist dies laut eigenem bekunden für Sinja Steenweg konkreteres Überlegen und Arrangieren der Wörter. Mit Witz widmete sie sich ihrem Thema, der Musik. „Der Led Zeppelin wäre nie aufgestiegen, wenn Beethoven im Bett wär´geblieben“, reihte sie Genres und Musiker und Bands aneinander zu einem Sinn spendenden Text.
Als Block traten die drei Slamer auf und zwischen den anderen Parts spielte Generalmusikdirektor Arno Heilgenberg auf seiner Akustik-Gitarre. Sehr virtuos, aber harmonisch gestaltete Heilgenberg die Erholungsphasen zwischen den literarischen Beiträgen.

Wolfram Hörmeyer Foto: ©Albrecht Dennemann
Wolfram Hörmeyer
Foto: ©Albrecht Dennemann

Seinen gerade im Eigenverlag erschienen „Zukunfts-Roman“ präsentierte im Anschluss Wolfram Hörmeyer, der frisch gekürte neue Regisseur der Norhorner Theaterwerkstatt. „Der Bonelliadler“ ist kein „Science Fiction“ im herkömmlichen Sinne, sondern „basiert auf Ereignissen in der Evolution der Vögel und in der Geschichte der Menschheit, die in das allgemein bekannte Wissen keinen Eingang gefunden haben und deshalb fiktiv erscheinen“, heißt es im Klappentext. Lange habe er daran geschrieben und “ über das Schreiben bin ich kurzsichtiger und fetter geworden“ erläuterte Hörmeyer im Interview mit Martin Liening. Doch worum es in dem Roman ging wurde am Abend nicht erläutert, sondern Hörmeyer las und intonierte famos – ganz auch Schauspieler und Entertainer – und machte damit Lust auf seinen Roman.
Der zweite Teil des Abends nach der Pause gehörte dann ganz Mattthias Meyer-Langenhoff und Martin Liening. Lehrer Meyer-Langenhoff packte mit „Lehrer Wittig“ sei Alterego (?) aus und bediente auch durchaus Klischees seines Alltags. Schüler heißen Kevin und verweigern sich eines vertiefenden Erkenntnisgewinns. Anders dann Martin Liening mit seinen humorigen Geschichten. Der pädagogische Ansatz im Handeln der Frauen seiner jeweils mit „Aber sie liebt ihn, wenn er nicht…“ eingeleiteten Geschichte war nicht zu übersehen. Zum Abschluss noch einen Blues im Duett mit Arno Heilgenberg.
Sehr kurzweilig und unterhaltsam. Auch wenn Literatur oft verstaubt klingt, so gelang Liening und Meyer-Langenhoff erneut ein Abend voll unterhaltsamer und lebendiger Literatur-Präsentation. Dies lag sicherlich auch an den gewohnt lockeren Moderationen der beiden Protagonisten.

vlnr: Martin Liening, Wolfram Hörmeyer, Chris Berens, Kira Müller, Arno Heilgenberg, Matthias Meyer-Langenhoff Foto: ©Albrecht Dennemann
vlnr: Martin Liening, Wolfram Hörmeyer, Chris Berens, Kira Müller, Arno Heilgenberg, Matthias Meyer-Langenhoff  Foto: ©Albrecht Dennemann

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