Die Story hinter dem Puigdemont-Asyl in Ohne

Lesung mit Pastor Dr. Karl. W. ter Horst Foto: ©Albrecht Dennemann

Es ist ja durchaus interessant wie sich eine Geschichte ihren Weg in die mediale Öffentlichkeit bahnt. Vor allem dann, wenn man von der ersten Information bis zur größeren Verbreitung fast alle Schritte nachvollziehen kann. „Puigdemont bekommt Asyl in Ohne (angeboten)“, das ist für die Region schon eine interessante Nachricht, da die Grafschaft ja nun nicht eine Metropole mit vielen Prominenten und schlagzeilenträchtigen Events gesegnet ist.

Pastor Dr. Karl W. ter Horst Foto: Albrecht Dennemann

Ohne/Schüttorf. Es war am späteren Karfreitagabend, als sich Pastor im Ruhestand Dr. Karl W. ter Horst bei Blixxm meldete und seine Idee präsentierte. Er möchte dem katalanischen (Ex)Präsidenten Carles Puigdemont privates Kirchenasyl in seinem Haus in Ohne anbieten und für die Kosten aufkommen. „Ich bin wirklich nicht für die Herauslösung Kataloniens aus dem spanischen Staatsverband, aber es ist ein Skandal, mit welch tyrannischen Maßnahmen gegen diesen gewählten Politiker von Seiten der spanischen Zentralregieung umgegangen wird“, entrüstet sich der Pastor im Ruhestand. „Als Deutscher schäme ich mich. Gerade mit unserer Vergangenheit. Die Belgier, Finnen und Dänen haben den Haftbefehl nicht umgesetzt. Auch der Vorwurf der Unterschlagung suggeriert ja, dass Puigdemont in die Kasse gegriffen habe, dabei hat er lediglich das umgesetzt, wofür er gewählt wurde. Nämlich dieses Referendum durchzuführen und die Kosten dafür werden ihm jetzt als Unterschlagung ausgelegt“, wird ter Horst präziser. Mit verschiedenen Mitgliedern seiner Gemeinden und Gesprächskreise hatte Pastor ter Horst seine Idee besprochen und stieß dabei auf positive Resonanz. Es sei ihm durchaus klar, dass man ihn als Wichtigtuer sehen können, aber es sei ihm wichtig, mit dem Asyl-Angebot gegen das Vorgehen der spanischen Regierung und der deutschen Behörden Stellung zu beziehen und zu protestieren. Seit Jahren hat ter Horst ein Haus in Katalonien und viele private Kontakte dort und ist deshalb der Region sehr verbunden. Die Reaktion des nahezu schlaftrunkenen Blixxm-Redakteurs war wohl nicht euphorisch genug, zumal dieser ter Horst aufgrund anderer Termine auf Sonntag vertröstete.

Haus ter Horst in Ohne Foto: © Albrecht Dennemann

Mit einer vergleichbaren Aktion war ter Horst schon vor Jahren in den Medien stark präsent. Desertierten amerikanischen Soldaten hatte er Unterschlupf versprochen, wenn sie sich einem Einsatz im Irak während des zweiten Golf-Krieges entziehen wollten. Bis ins Fernsehen gelangte die Geschichte und Nina Hagen wurde darauf aufmerksam. Wieviele Deserteure denn nun wirklich versteckt worden waren, darüber wird spekuliert. Aber auch, ob überhaupt welche versteckt worden sind. Aber die Botschaft war auch damals klar und auch sehr medienwirksam. Durch den intensiveren Kontakt begeisterte ter Horst Nina Hagen für den reformierten Glauben und sie ließ sich später in Schüttorf taufen. Über Ostern habe ter Horst auch Mail-Kontakt mit Nina Hagen gehabt und sie habe ihn in einem Telefonat darin bestärkt, das Asyl-Angebot für Puigdemont öffentlich zu machen.
Auch die erste gleichgeschlechtliche Einsegung (Trauung, die nur nicht Trauung genannt werden darf)  in der reformierten Schüttorfer Kirche führte ter Horst durch und dies löste ebenfalls starkes regionales, aber auch überregionales Interesse aus. Die Reaktionen waren so positiv, dass dies inzwischen für die reformierte Kirche kein großes Thema mehr ist.
Am Ostermontag informierte Pastor ter Horst die Grafschafter Nachrichten, die die Geschichte auch am Dienstag veröffentlichten. Über weitere Kontakte informierte der Pastor weitere Medienvertreter über sein Vorhaben. Ein Kontakt des Pastors beim NDR in Osnabrück bescherte Blixxm dann am Dienstag auch eine Bildanfrage vom NDR aus Hannover. Schnell fand sich das Bild mit entsprechender Meldung auf deren Homepage. Auch westfälische Zeitungen hatten die News schon aufgegriffen und auch die NOZ in Osnabrück und ihre Ableger im Emsland.
Am Mittwoch ging dann erneut das Telefon bei Blixxm und die dpa (Deutsche Presse Agentur) aus Hannover wollte ebenfalls ein Bild. Noch bevor dpa das Bild online gestellt hatte, aber den Text schon, meldete sich ein Schüttorfer bei Blixxm, der als Student bei einem Verlag in Braunschweig arbeitet und fragte vorab nach dem Bild.  Auch „evangelisch.de hatte das Bild inzwischen. Weitere Medien wie das domradio.de aus Köln berichteten über das private Kirchenasyl des Ohner Pastors. Die Geschichte ist nun in der Welt und verbreitet sich… Abwarten, wohin sie noch gelangt. Der Zeitpunkt ist ja günstig: Wenig News, die Politik hat die Systeme nach Ostern noch nicht wieder hochgefahren und die Causa Puigdemont ist top-aktuell.

Das Dorf Ohne Foto: © Albrecht Dennemann

Ob es für die Causa Puigdemont etwas bringt, ist nun die spannende Frage. Sicherlich wird es entscheidender sein, wie sich das Gericht in Schleswig-Holstein und auch die Politik dazu stellt. Es ist allerdings ein Statement, dass an die demokratischen Gepflogenheit gemahnt. Trotz unterschiedlicher Meinungen, sollte man diese nicht mit unrechtmäßigen Mitteln einzudämmen versuchen.  Allerdings ist wohl nicht damit zu rechnen, dass der katalanische Ex-Präsident in Ohne residieren und zur Pressekonferenzen in die Gaststätten Dreihus und Timmer einlädt – denn das Haus ist nun wirklich sehr klein. Und wenn, dann würden die Ohner ihn gerne aufnehmen, wie eine kurze Blixxm-Umfrage vor Ort ergab.

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