Ein Sprungbrett ins Leben

vlnr: : Beate Johanning, Ilona Wiesner, Ulrike Rohe, Gordana Wolf, Detel Krause, Claudia Bethke, Annette Tenger-Musekamp (Regionalleiterin), Monika Biener (Psychologin), Pia Bruns (Jahrespraktikantin) Foto: © Albrecht Dennemann

Am vergangenen Freitag feierte das Mädchenwohnheim des Eylardus-Werkes in Schüttorf sein 25. Jubiläum. Acht Mädchen im Alter von 13 bis 18 Jahren werden dort betreut und auf ein selbstständiges Leben vorbereitet.

Foto: © Albrecht Dennemann

Schüttorf. Etwas größer als ein Einfamilienhaus ist es schon, schließlich wohnen dort acht Mädchen und werden von vier Erzieherinnen nebst Hauswirtschafterin betreut. Ansonsten ist das Haus nicht als „Heim“ erkennbar. Vor 25 erwarb das Eylardus-Werk das ehemalige Pastorenhaus der evangelisch-reformierten Kirche und richtete die Mädchenwohngruppe ein.
Zum Jubiläum hatte das Gildehauser Eylardus-Werk Vertreter aus den Verwaltungen der Stadt Schüttorf, des Jugendamtes, der Schulen, der Kooperationspartner und Unterstützer geladen. Der Therapeutische Leiter Detlef Krause blickte zunächst auf die Geschichte des Eylardus-Werkes und hier vor allem auf die der Außenwohngruppen zurück. Seit 1970 werden von der 1920 gegründeten Einrichtung Kinder in einzelnen Häusern betreut. 1981 wurde die erste Außenwohngruppe, außerhalb des Gildehauser Standortes eingerichtet und 1992 das einzige reine Mädchenwohnheim in Schüttorf. Inzwischen gibt es 25 dieser Außenwohngruppen. Neben diesen Gruppen betreut das Eylardus-Werk mit insgesamt rund 600 Mitarbeitern in einem Korridor von 140 Kilometer von entlang der deutsch-niederländischen Grenze in rund 50 Gruppen, Kindertagesstätten, der Eylardus-Schule, Beratungsstellen und weiteren therapeutischen Einrichtungen Kinder und Jugendliche aus dem Bundesgebiet.

Kater Detlef Foto: © Albrecht Dennemann

In Schüttorf werden die Mädchen von Ilona Wiesner, Claudia Bethke, Ulrike Rohe, Gordana Wolf und Hauswirtschafterin Beate Johanning rund um die Uhr im „Schichtbetrieb“ betreut. Die langjährigen Erzieherinnen bringen es gemeinsam auf 99 Dienstjahre beim Eylarduswerk, was Detlef Krause eine besondere Erwähnung wert war. Hinzu kommen noch Regionalleiterin Annette Tenger-Musekamp und Psychologin Monika Biener.  Nicht zu vergessen Kater Detlef, der einzige männliche Bewohner des Mädchenwohnheimes. Als ob es für ihn das Normalste sei, legte dieser sich bei der Feierstunde lässig zu Füßen der Redner.
Die Mädchen werden gezielt von Jugendämtern zugewiesen, wobei an den Mädchen verübte Gewalt, sexuelle Gewalt, grenzüberschreitendes Verhalten und auch Mobbing Rollen spielen können. Das Mädchenwohnheim soll als „Schutzraum“ zur individuellen Förderung, Vorbereitung auf das Leben, Neuorientierung und Festigung der Persönlichkeit dienen. Am „Neuer Weg“ in Schüttorf angesiedelt, soll die Einrichtung einen eben solchen „neuen Weg“ ins Leben ebnen. Konzeptionell arbeiten die Erzieherinnen auf Basis der parteilichen Mädchenarbeit, weshalb auch keine männlichen Mitarbeiter dort beschäftigt sind. Wobei die Arbeit für Männer in solchen jugendfürsorglichen Einrichtungen auch immer schwieriger geworden ist. Schnell werden Übergriffe unterstellt, ob zutreffend, oder auch nicht. Die Erzieherinnen unterstützen die Mädchen bei der Suche nach ihrer Frauenrolle, die durchaus anders sein kann als die der eigenen Mutter. Es wird unterstützt und begleitet bei der wesentlichen Frage: „Wo stehe ich heute und wo wohin gehe ich“. Sicherlich eine Frage die sich jeder Jugendliche stellt, deren Beantwortung in funktionierenden Familienmodellen jedoch wesentlich einfacher fällt. Mit einem Phasenmodell mit Punktebewertung, sollen die Mädchen lernen Verantwortung für ihre Handlungen und ihr  Leben zu übernehmen. Die schnelle Rückmeldung über die „Lernpunkte“ und deren Visualisierung, wird von den Erzieherinnen als Instrument eingesetzt.
Im Laufe der Jahre hat sich viel verändert in der Wohngruppe, so wurde beispielsweise das Aufnahmealter auf 13 Jahre gesenkt. Rückführungen in die Familien gibt es, jedoch gehen viele nach der in Schüttorf erarbeiteten Verselbständigung in eigene Wohnungen. Typische Probleme der Mädchen sind Fragen der Sexualität, Beziehungen – was ist eine gute Beziehung? – Freundschaften, ein neuer Anfang aus der Opferrolle heraus, psychische Probleme mit Folgen wie Ritzen und Selbstverletzungen. Es werden mit den Mädchen Strategien erlernt, die bei den Problemstellungen helfen, die Traumata begegnen und Defizite aufholen. Mit Fördermaßnahmen wie festen Strukturen, Hausaufgabenhilfe und zusätzlicher Schulförderung (School-Power), sollen Selbstvertrauen gegeben und Ängste genommen, um berufliche Perspektiven zu entwickeln und ein Fundament für das weitere Leben gelegt werden. Ergänzt wird durch therapeutische Gespräche und weitere Angebote. Das Haus gliedert sich in drei Wohnbereiche, mit einem „normalen“ Wohnbereich, einer „Mini-WG“ und ein Appartement. Über dieser drei Stufen werden die Mädchen an ein selbstständiges Leben herangeführt.

vlnr: Nils Obremba (Gast) , Friedhelm Wensing (Kaufmännischer Vorstand Eylardus-Werk) , Samtgemeindebürgermeister Manfred Windhaus Foto: © Albrecht Dennemann

„Im Grunde ist es bedauerlich, dass es ein Mädchenwohnheim geben muss“, leitete Samtgemeindebürgermeister Manfred Windhaus sein Grußwort ein. Windhaus unterstrich jedoch die Wichtigkeit dieser Einrichtung, die Hilfe und Schutz für von physischer und psychischer Gewalt betroffenen Mädchen bietet.“Es ist gut und wichtig, dass es solch eine Einrichtung in Schüttorf gibt“, so Windhaus. Schon in jungen Jahren habe er am vergleichbaren Beispiel einer Bekannten erfahren, wie hilfreich solche Einrichtungen seien.  Für die Zukunft wünschte der Samtgemeindebürgermeister, dass das Wohnheim so weitergeführt wird und Bestand habe, das Gewalt gegen Frauen unterbleibt und die hervorragende Arbeit so weitergeführt werden könne.

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vlnr: : Beate Johanning, Ilona Wiesner, Ulrike Rohe, Gordana Wolf, Detel Krause, Claudia Bethke, Annette Tenger-Musekamp (Regionalleiterin), Monika Biener (Psychologin), Pia Bruns (Jahrespraktikantin)
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