Ein zartes Pflänzchen mit Potenzial

Bei so manchem Start eines Projektes, oder einer Veranstaltungsreihe mag man denken „Wenn das mal was wird“. Das Schüttorfer Frühlingsansingen am Sonntagnachmittag mit lediglich zwei Chören hatte hingegen soviel Potenzial, dass es sich bei längerfristiger Vorbereitung vom zarten Pflänzchen zum veritablen größeren Event entwickeln könnte.

Frühlingsansingen Schüttorf 2018 Foto: © Albrecht Dennemann

Schüttorf. Im November/Dezember hatte der Pluspunkt angefangen das Frühlingsansingen zu organisieren. Eine wirklich charmante Idee mit Gesang der Frühling zu begrüßen. Nur fanden sich lediglich zwei Chöre, die bei dem Event auftreten wollten. Andere sagten ab weil es terminlich nicht passte und/oder der/die Dirigent*in nicht zur Verfügung stand. Bei längerfristiger Planung mag es im kommenden Jahr mehr Beteiligung geben.
Den Auftakt machte der Kunstwerkchor „Voices and more…“ unter der Leitung von Hartmut Meyer. Unterstützt von Keyboard (Hartmut Meyer) und Trommel (Klaus Lücken) gab es Afrikanisches und eher poppige Sounds zu hören. Schon zu Beginn hatte sich Schüttorfer eingefunden um dem Gesang zu lauschen und im Laufe der Auftritte kamen noch weitere hinzu. Schließlich durften sie gegen Ende auch noch selbst beim öffentlichen „Rudelsingen“ mitsingen. Da kleiner und auch nicht ganz so stimmgewaltig hatte der „Gemischte Chor Schüttorf“ im Vergleich ein wenig das Nachsehen mit seinen eher klassischen Liedern, obschon auch „Über sieben Brücken musst Du gehen“ von der DDR-Band Karat dabei war.
Parallel dazu luden die Geschäfte der Innenstadt zum Shoppen ein. Und das ist der eigentliche Hintergrund der Veranstaltung. Es sollte eine Veranstaltung kreiert werden, die den verkaufsoffenen Sonntag umrahmt. Denn allein verkaufsoffen geht nicht, da es ansonsten Ärger mit der Gewerkschaft Verdi geben könnte. Das Problem wurde somit hervorragend gelöst.

Frühlingsansingen Schüttorf 2018 Foto: © Albrecht Dennemann

Möglicherweise bietet sich aber auch ein anderer Termin an, da es vor Ostern immer auch empfindlich kalt sein kann. Ganz abgesehen von den Wetterunbilden, denen man mit einem Umzug der Veranstaltung in die reformierte Kirche begegnen kann – so war es zumindest geplant für den Fall, dass es regnen sollte. Termin könnte jeweils ein Sonntag um den 18. April sein. Am 18. April 1937, nun vor fast 81 Jahren, zogen rund 1000 Schüttorfer (angeblich) vor das Rathaus, um ihren Pastor Friedrich Middendorff aus dem Gestapo-Gewahrsam (Geheime Staaatspolizei) „freizusingen“. Als Zeichen des bürgerschaftlichen Widerstandes gegen die Nazi-Tyrannei ist dies zumindest in der Grafschaft einmalig gewesen und somit ein Anlass der durchaus ehrenswürdig ist. Es wäre ein positives sängerisches Plädoyer für Meinungsfreiheit, Mitmenschlichkeit und gegen Unterdrückung das sagt: Auch damals war Widerstand möglich und heute wendet man sich gegen populistische extreme Tendenzen.  Dieses positive Beispiel sollte gefeiert werden! Darüber könnte/sollte  man durchaus mal nachdenken.

 

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