Friedhof Gildkamp kein Vogelparadies mehr?

Friedhof Gildkamp Nordhorn Foto: Heinz Bavinck

Dem abgeschlossenen Sanierungsprojekt der ev.-ref. Kirche, Nordhorn und der Stadt Nordhorn auf dem alten Friedhof Gildkamp, stattete Heinz Bavinck einen Besuch ab. Sein Resümee fällt nicht positiv aus. 

Friedhof Gildkamp Nordhorn Foto: Heinz Bavinck

Nordhorn. Mitten im Zentrum von Nordhorn lag lange Zeit ein alter Friedhof tief im Dornröschenschlaf. Vergessen und ohne Zukunft? Die letzte Bestattung dort lag schon sehr lange Zeit zurück. Die Gräber wurden schon lange aufgegeben und liegengelassen. Höchstens vereinzelt, hier und da konnte man noch ansatzweise eine Grabpflege erkennen. Die allermeisten alten Gräber waren hoch mit Efeu und Brombeeren und Hopfen überwuchert. Die schmiedeeisernen alten Gitterzäune haben den Pflanzen den richtigen halt gegeben. Mittig, und gerade aus, über den Friedhof verläuft eine Lindenallee. Wo man früher die Bestattungen noch mit Pferd und Totenwagen ermöglichen musste, war es nötig einen geraden Weg zu haben, denn wenden konnte man mit dem Pferdegespann schlecht. Ein Bild aus einer vergessenen Welt. Verlassen und zurückgelassen, in Ruhe gelassen? Somit stellte sich über die Jahre ein eigenes Tier- und Pflanzenleben mit einem eigenen Mikrostadtklima ein. Gelegentlich erinnerte man sich im Kirchenrat an dieses Grundstück im Zentrum von Nordhorn. Pläne zur Sanierung wurden teilweise wieder verworfen, weil man sich nicht auf ein gemeinsames Ziel einigen konnte. Verkaufen oder Stadtwohnungen oder stadtparkähnliche Anlage? Haben sich  vielleicht seltene Tiere oder Pflanzen in all den Jahren eingestellt? Keiner hatte den Überblick. So wurde ich zusammen mit einem Freund 2014 angesprochen und gebeten für das Gebiet eine Vogelbestandsaufnahme zu machen. An mehreren Terminen haben wir in der Nacht und in den frühen Morgenstunden die Vogelwelt im Frühjahr bestimmt.

Friedhof Gildkamp Nordhorn Foto: Heinz Bavinck

Überall zwischen den Gräbern waren die Vögel wie Zaunkönig, Heckenbraunelle, Blaumeise, Kohlmeise, Star, Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Ringeltaube, Dohle, Buchfink, Stieglitz, Dompfaff, Haussperling, Amsel, Singdrossel, Trauerschnäpper sehr emsig zu sehen. Ein tolles Vogelkonzert erschallte in der frühen Morgenstunden und das alles im Zentrum, zwischen den Häusern ringsherum. Eine Oase in der Stadt, ein Ort der Besinnung, nur ohne Publikum (außer die direkten Anwohner), denn der Friedhof war nicht öffentlich zugänglich. Unsere Bestandsaufnahme hat einen artenreichen Vogelbestand ergeben, allerdings ohne besonders seltene oder sogar Rote-Listen-Arten. Wir haben die Bestandsliste der Kirche übergeben, was zur Folge hatte, dass keine Häuser gebaut worden sind, sondern ein Wandelpark mit neuem Wegebau und bereinigten Gräbern. Grabplatten wurden zusammengefasst auf neue, alte Flächen wieder abgelegt.
Wenn man die Natur im Blick hat und auch pro Natur denkt, den rasanten Artenschwund in unserer Natur leider vor Augen hat, dann kann man solche Gebiete in denen sich so eine artenreiche Tierwelt eingestellt hat, nicht einer Totalsanierung zuführen. Einige unangetastete Flächen hätten im Nachhinein gesehen unbedingt erhalten bleiben müssen. Diese Artenvielfalt wird auf diesem sanierten Friedhof so nie wieder erreicht werden können. Einige neu angelegte Wege, wenige freigelegte, historische Grabstellen mit ihren Grabplatten wäre gut genug gewesen. So hätte man sich der Artenvielfalt weiter erfreuen können. Jetzt kann sich dort kein Igel, kein Vogel vor Blicken schützen. Das Nahrungsangebot ist auch sehr beschränkt. Ein Lichtblick auf der neu gestalteten Fläche ist ein Pflanzstreifen mit einer Wildblumenmischung für Insekten. Die Lindenallee und einige alte Bäume wurden erhalten. Enttäuscht war ich über so viel Rasen. Eine große Leere gegenüber alten Zeiten. Wie soll da Artenreichtum bestehen oder neu entstehenkönnen, was immer das Ziel für die Zukunft sein muss. Sicherlich ist der Wildblumenstreifen ein großes Pfund auf dem alten, ehrwürdigen Friedhof. Die deutsche Gründlichkeit und die Vorstellung einer sauberen, aufgeräumten und pflegeleichten Anlage dominiert hier leider deutlich.

Bürgermeister-Meyeringh-Park Schüttorf Foto: Heinz Bavinck

In Schüttorf wird jetzt der Bürgermeister-MeieringhPark saniert. Optisch ist dort eine starke Veränderung vorgenommen worden. Dient die Sanierung und die neue Bepflanzung auch ein wenig der bedrohten Artenvielfalt ? Gott sei Dank stehen die alten Bäume noch. Sonst sind bisher nur sehr wenige neue Sträucher(Felsenbirne) zu sehen. Viele Ziergräser, einige Blütenpflanzen (Katzenminze) aber auch viel Rasenflächen. Es ist noch nicht alles fertig gestellt. Warten wir es mal ab. Bei dem dramatischen Artenschwund in unserer Zeit kommt man nicht um die Frage herum, ob alles bedacht worden ist für den Menschenschutz, denn Artenschutz ist Menschenschutz. Da helfen auch keine optischenSchönfärbereien, sondern nur neue Strategien gegen den Artenschwund und Klimaschutz.

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2 Comments

  • Der Alte Friedhof Gildkamp wirkt vielleicht nicht mehr so verwunschen wie früher, doch Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist noch reichlich vorhanden. Bei der Vogelexkursion mit Dr. Gerhard Kooiker im April wurden „im Vorbeigehen“ 18 Arten festgestellt, u.a. Trauerschnäpper, Heckenbraunelle, Ringeltaube und Gartenbaumläufer, und das bei suboptimalem Wetter. Für die Insekten wurde nicht nur der kleine beschilderte Blühstreifen angelegt: auf 2.600 m² wurde regionales Saatgut mit 30 verschiedenen heimischen Gräsern und Kräutern eingesät. Die Kinder der benachbarten Montessori Schule haben erst letzte Woche mehr als 2.000 Blumenzwiebelen von Frühblühern gepflanzt. Das erfreut nicht nur die Tiere, sondern vielleicht auch die Bürgerinnen und Bürger, die den Alten Friedhof nach der Wiedereröffnung als innerstädtische Grünfläche hinzugewonnen haben.

  • Frau Manuela Monzka, weniger, wäre mehr gewesen ! Alle Bemühungen mit dem Blühstreifen, mit den Kräutern, so vielen Blumenzwiebeln, Gräsern und dem regionalen Saatgut sind sehr lobenswert !!
    Nur, es hätte ein „Extra“ auf der großen Fläche sein müssen. Das „Opfer“, eine Oase im Zentrum von Nordhorn, eine intakte Artenvielfalt zu vernichten, ist zu groß. Platz genug ist dort doch. Bei dem rasanten Vogelsterben, dem rasanten Insektensterben in unserer Zeit, sind im Gegenzug die riesigen Flächen mit Monokulturen, immer neuen Flächenversiegelungen. Jede kleinste Fläche zur Erhaltung der Artenvielfalt ist wichtiger, als pflegeleichte Parkanlagen. Wovon sollen da z.B. die Vögel ihre Jungen in den Nestern satt bekommen? Wo sollen dort die vielen Vogelarten, die ja seit Jahren auf dem Friedhof gebrütet haben, wo sollen die denn ihre versteckten Brutnester anlegen? Was Herr Gerhard Kooiker, vom NOV, an Arten festgestellt ist nur eine Momentaufnahme im April. In dieser Zeit sind noch viele Durchzügler unterwegs und sind somit noch längst nicht Brutvögel im Park. Da bedarf es mehrerer Kontrollen.
    Es ist viel getan worden zur allgemeinen Erbauung der Nordhoner Bewohner, aber zur sehr wichtigen Erhaltung der vorhandenen Artenvielfalt ist meiner Meinung nach zu wenig getan worden. Sehr schade.

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