Grafschafter protestieren gegen belgische AKW

Foto: Christina Burchert

50000 Menschen bilden Kette zwischen Aachen und Tihange – Punkt zwölf Uhr rollte der Bus am Sonntag mit 40 AKW-Gegner*innen aus der Grafschaft Bentheim, dem Emsland und Westfalen nach knapp dreistündiger Fahrt am zugeteilten Abschnitt bei der belgischen Stadt Visé ein. Anti-Atom-Initiativen aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland hatten das Projekt Menschenkette grenzübergreifend auf die Beine gestellt.

Foto: Susanna Austrup

Schüttorf/Visé. Die Grünen in der Grafschaft und dem Emsland hatten zur Teilnahme an der Menschenkette aufgerufen und den Bustransfer organisiert. Die Idee: Zwischen Aachen und dem belgischen Schrottreaktor Tihange sollte als weithin sichtbares Zeichen eine 90 Kilometer lange Menschenkette gebildet werden, für jeden Streckenabschnitt gab es eine Patenregion. Niedersachsen war für den Landkreis Voeren nicht weit von Maastricht eingeteilt, die Grafschafter Delegation postierte sich an dem ihr zugewiesenen Abschnitt auf der „Rue de l‘ Ecluse am Albert-Kanal. Genau an der Stelle war in den 1970er Jahren der Bau von zwei Reaktoren geplant, der durch das Engagement von Bürgern der Wallonie und Südlimburg verhindert werden konnte. Gegen 14.45 Uhr kam die Nachricht vom belgischen Streckenposten, dass die Kette inzwischen geschlossen sei. Der Protest galt den maroden Meilern Tihange und Doel. Seit Jahren sorgen die beiden belgischen Pannenreaktoren für Schlagzeilen. „Sofort abschalten“, forderten die Demonstranten gestern lautstark. 60000 Menschen hätte man für die Menschenkette benötigt, doch mithilfe von überbrückenden „Protestbändern“ und lang gestreckten Armen gelang der Kettenschluss auch so. Christina Burchert vom Arbeitskreis Umwelt (AKU) Schüttorf zeigte sich gestern zufrieden. „Das war doch eine tolle Aktion“, sagte sie.

Christina Burchert
Foto: Susanna Austrup

Der Bericht von Christina Burchert vom „Arbeitskreis Umwelt Schüttorf“:
„Insgesamt war es ein toller Tag mit einer deutlichen Aussage der Menschen in drei Ländern, die sich für die Abschaltung der maroden belgischen Reaktoren und aller Atomanlagen in Europa ausgesprochen haben. Zudem haben wir einen sofortigen Export-Stopp von Brennelementen aus Lingen und angereichertem Uran aus Gronau zu den gefährlichen Reaktoren in Belgien und Frankreich und die Schließung der Uran-Fabriken in Lingen und Gronau gefordert.
In unserem Streckenabschnitt 44 in Vise/Belgien haben rund 200 Menschen aus Niedersachsen und belgische Anwohner, den 1 Kilometer langen Abschnitt Hand in Hand geschlossen. Wir waren mit 40 Teilnehmern aus der Grafschaft und dem Emsland vor Ort. Die anderen niedersächsischen Teilnehmer kamen mit Bussen aus Osnabrück und der Region Braunschweig, sowie mit zahlreichen Fahrgemeinschaften aus Göttingen, Hannover, Oldenburg, dem Wendland und anderswo.
Bei der Menschenkette haben wir zu unserer nächsten Demo in Lingen aufgerufen. Zudem wurde von „Ausgestrahlt“ ein „Hausaufgabenheft“ für die Zeit nach der Menschenkette in einer Druckauflage von 20.000 Stück verteilt, in dem ebenfalls zur Demo in Lingen zwei Wochen vor der Bundestagswahl aufgerufen wurde“.

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