[Kommentar] Ein besonderes Festival oder maßloser Unsinn?

Foto: Elisabeth vor der Straße

Das Märchen vom Fischer und seiner Frau erzählt davon, wie es dem ergeht, der das Maß komplett verliert. Hier wird Maßlosigkeit damit bestraft, alles zu verlieren. Nur ein Märchen? Nun: Größer, schöner, höher, weiter ist heute vielfach die Devise, auch, wenn es auf Kosten von Gesundheit, Natur und Umwelt geschieht. Sich nimmersatt vergnügen und das Ultimative erleben? Ist das alles, was uns noch einfällt? Mal davon abgesehen: Ist es nicht auch ein bisschen pervers was wir in den reichen Ländern des Westens alles anstellen, für unseren Spaß? Ist Spaß hier nur noch mit großem Aufwand, unter Einsatz vieler Ressourcen und viel Geld möglich? Geht es nicht vielleicht auch anders? Und damit zur Frage des Tages: Braucht Bad Bentheim ein „Bentheim-Boutique-Festival“, das einen einzigartigen Naturraum als Kulisse für ein aufgemotztes Luxus-Spektakel missbraucht?

Foto: Elisabeth vor der Straße

Ein Festival? Ja, warum nicht? Es darf auch durchaus etwas Besonderes sein. Doch: Was ist heute noch besonders, wo ein Event das nächste jagt? Veranstalter haben darauf nur eine Antwort: Die nächste Party muss noch toller, noch schöner, noch größer werden. Letztendlich geht es dabei doch nur um eins – das Portemonnaie der Besucher. Die sollen für ihren extravaganten Spaß ordentlich blechen. Passt gut zur „Geiz ist Geil“-Mentalität im Alltag, wo jedes Schnäppchen mitgenommen und der Billigwettbewerb der Discounter hochgradig willkommen ist. Wo das billige Schnitzel einer armen Sau wichtiger ist, als ein anständiges Schweineleben. Warum also ein Event in einem kleinen Naturraum, der danach ganz sicher keiner mehr ist? Nun, es geht ja auch ums Vergnügen und das passende Drumherum, nicht um ein paar Käfer, Vögel und Bäume. Und auch nicht um die Menschen, die Natur einfach nur pur genießen möchten. Was schon ein seltenes Vergnügen geworden ist, denn fast überall steht dem Naturgenuss etwas im Weg: eine Straße, ein Parkplatz, ein Gewerbegebiet, ein Maststall, eine Biogasanlage, ein Windpark, ein Freizeitpark, eine Ferienanlage, eine Stromtrasse und so weiter. Bad Bentheim hat viel zu bieten für ein besonderes Festival: eine Burg, den Herrenberg, den Schlosspark, die Freilichtbühne, zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten und eine geeignete Campingwiese mit Naturfreibad. Warum also müssen auch noch Wald und Sandsteinklippen herhalten? Notwendig wäre es nicht.

Foto: Elisabeth vor der Straße

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3 Comments

  • Danke für den sehr guten Kommentar, der die öffentliche Diskussion anregt. Rein formal ist da wohl nicht wirklich etwas zu verhindern. Hoffentlich gelingt es durch öffentlichen Druck, das Gebiet so zu erhalten, wie es ist.

  • Wurden dort seitens der Befürworter auch Fakten hinsichtlich des Naturschutzes erörtert und Vor- und Nachteile abgewägt oder hat man einfach nur für etwas gestimmt, was im ersten Momemt einzigartig klingt und zu einem kommerziellen Alleinstellungsmerkmal werden könnte, von dem letztendlich nur der Veranstalter profitiert? Nimmt man die naturfreundlichen Gegner des Vorhabens eigentlich ernst oder geht Kommerz vor Natur?
    Der Bereich zwischen dem Hotel am Berghang und der Pipeline und auch von dort bis zur Ziegelei Suddendorf ist – gerade wegen der ehemaligen Steinbrüche – eine einzigartige Mischung aus Berg, Wald, Tümpeln, Flora und Fauna. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das man mit so einem Bödsinn schnell zerstören kann. Waren die Befürworter eigentlich alle wirklich mal dort vor Ort? Wer nicht bereit ist, ein solch einmaliges Naturdenkmal zu hegen und zu schützen, hat sich anscheinend recht leichtfertig dem schnöden Kommerz ergeben. Eine Stadt, die mit einem Klimaschutzmanagement wirbt und sich eine Klimaschutzmanagerin leistet, sollte wesentlich sensibler mit solchen Themen umgehen, um sich nicht unglaubwürdig zu machen…..

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