[KUNSTWERK] Alternde Diva schwelgt in amüsanten Sex- und Show-Erinnerungen

Lilo Wanders im Kunstwerk Foto: © Albrecht Dennemann

Sehr unterhaltsam und kurzweilig präsentierte am Freitagabend Lilo Wanders aus Hamburg als alternde Show- und TV-Diva Erinnerungen im Kunstwerk in Schüttorf. Geschlechtlich irgendwo zwischen Männern und Frauen bot Wanders, alias Ernie Reinhardt, amüsant aufbereitete Fakten, Aufklärung, Klischees und so manchen Ausflug in das, was Männer und Frauen so miteinander in den heimischen vier Wänden so anstellen.

Lilo Wanders im Kunstwerk Foto: © Albrecht Dennemann

Schüttorf. „Alle oberhalb von 30 habe ich aufgeklärt“, behauptet die mondände Diva und könnte damit Recht haben – zumindest was die Reichhaltigkeit der möglichen Spielarten der sexuellen Begegnungen betrifft. Doch das ist schon etwas her. Zehn Jahre von 1994 bis 2004 moderierte Ernst-Johann „Ernie“ Reinhardt als Lilo Wanders auf Vox die Sendung „Wa(h)re Liebe“. Immer wieder schwelgte die Diva, die sich gar nicht so divenhaft gab in Erinnerungen: Gäste, Fan-Post, Situationen und natürlich Themen: Verliebtheit, die Ehe als Solche, Masturbation – „Sex haben mit jemanden den man wirklich liebt“ – , als Paar, zu dritt in der Gruppe und auch Anschauungsmaterial (Dildos) hatte sie/er/es mitgebracht. Das überwiegend weibliche Publikum war begeistert. Nicht allein wegen der Dildos, eher aufgrund der Geschichten und möglicherweise auch der Erkenntnisse. „Die beste Freundin einer Frau weiß einfach alles. Männer sind da diskreter…“, stellte Wanders fest. Nun ja, das mit der Diskretion mag Mann bestätigen.

Lilo Wanders im Kunstwerk Foto: © Albrecht Dennemann

Travestie-Künstler Reinhardt ist schwul, wie sich unschwer vermuten lässt, ist aber seit Jahren mit einer Frau verheiratet und hat zwei Kinder – das ist dann schon etwas ungewöhnlicher. Auch das wird thematisiert – allerdings ohne seine Frau zu erwähnen. Sie habe zwei große Hobbies und das zweite sei das Lesen. Das erste brauchte nicht erwähnt zu werden, schließlich ist das Programm so betitelt. „Sex ist ihr Hobby“. Nun gut, zumindest das Reden darüber ist aber auch Profession. Und das ist ihre Kernkompetenz zu der sie sagt:“ Man sollte nur Sex haben, wenn beide Lust darauf haben – oder die ganze Gruppe“. Dem Kopfkino war damit die 16:9-Leinwand frei gegeben.Im Plauderton schwelgte Wanders in Erinnerungen, klärte auf, präsentierte aber auch Fakten wie Zeitdauer bis zum Orgasmus, Dauer des Orgasmus, Anzahl der Muskelkontraktionen, Ejakulatmenge und Geschwindigkeit (16 Stundenkilometer – „…wie ein Fahrrad…“ und „…bei einem vorgetäuschten Orgasmus werden dreimal soviel Kalorien verbrannt, wie bei einem echten“ – wie das nun alles festgestellt wurde?…  Gerne stand Wanders anschließend für Fotos mit den Gästen und Gespräche bereit, wovon ausgiebig gebrauch gemacht wurde.
Es brauchte nicht viel Dekoration außer der mondänen Diva auf der Bühne. Eine Diva die eigentlich keine ist und sehr nahbar wirkte. Routiniert und professionell führte sie durchs Programm. Allerdings in einem Tempo wie man es von den jüngeren Comedians nicht kennt. Etwas langsamer, fast wie die aus dem Leben erzählende Großmutter kam sie „vom Höcksken aufs Stöcksken“. Da hätte man sich etwas mehr Dynamik gewünscht. INsgesamt konnte das Publikum doch sehr zufrieden sein, da die Erwartungen bedient wurden und es ausgesprochen kurzweilig, frivol und amüsant war.

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