[LANDWIRTSCHAFT] Glüh-Fo-Was? – Ackergift in der Diskussion

Foto: ©Albrecht Dennemann

Nur wenige Pflanzenschutzmittel genießen einen Bekanntheitsgrad wie das Total-Herbizid Glyphosat, oder besser bekannt unter den Handelsnamen „Roundup“, oder „Touchdown“. In der Diskussion ist dieses Gift in der Grafschaft (aller-)spätestens seit der Debatte im Kreistag in der vergangenen Woche zur Novelle des Wasserschutzgesetzes. Wenn die mit Glyphosat „totgespritzten“ Flächen nicht schon gepflügt oder gegrubbert wurden, so sind die Folgen der Behandlung noch deutlich zu sehen: Grünt es drumherum, so sind diese Flächen sehr augenfällig durch ihr gelbliches Erscheinungsbild zu identifizieren.

Obergrafschaft. Weitgehend scheinen die Landwirte, oder die Lohnunternehmer in der Grafschaft verantwortungsvoll mit diesem Gift und auch der Düngung umzugehen. Es wird nicht bis zum äußersten Rand der Fläche gespritzt und gedüngt und in Gewässernähe (Gräben und andere Wasserflächen) wird ein entsprechender Abstand gehalten. Dennoch attestierte die Unterre Wasserbehörde des Landkreises der Vechte und Dinkel nicht die allerbesten Wasserqualitäten. Dies wird auf den Eintrag von Pflanzenschutzmitteln und Nährstoffen aus der Landwirtschaft in Fließgewässer zurückgeführt. „Totgespritzt“ werden diese Flächen, um der Kulturfrucht bessere Bedingungen durch die „Ausmerzung“ nicht gewünschter anderer Pflanzen zu verschaffen. Schließlich sollen die Nährstoffe allein den Kulturpflanzen zur Verfügung stehen.

Ist die Landwirtschaft insgesamt verantwortlich, oder nur einzelne Landwirte?

Acker und Randstreifen nach Glyphosat-BehandlungFoto: ©Albrecht Dennemann
Acker und Randstreifen nach Glyphosat-BehandlungFoto: ©Albrecht Dennemann

Es ist davon auszugehen, dass das Gros der Landwirte gesetzestreu und verantwortungsvoll ihre Flächen bewirtschaftet. Alles andere wäre eine böswillige unterstellende Spekulation.  Einzelne hingegen weichen davon ab und nehmen es auch nicht so genau, wie dies auf dem nebenstehenden Foto zu sehen ist. Der Acker wurde gespritzt und die „Pflanzenschutzmittelwolke“ waberte offensichtlich über die Ackerfläche hinaus in Richtung eines kleinen Grabens.  Ein absoluter Einzelfall ist dies nicht. Die gelbliche Farbe der Pflanzen am Ackerrand sind keineswegs durch Trockenheit bedingte Verfärbungen, sondern Folge des Herbiszideinsatzes. Glyphosat ist ein Gift und ob dies krebserregend ist, oder auch nicht, wird unterschiedlich beurteilt. Zur Stoppelbehandlung nach der Ernte, zur Vorbereitung der Flächen für die Saat von Wintergetreide und Raps, wird es eingesetzt. Laut einer Expertenbefragung aus 2011, würden 30 Prozent der Ackerflächen in Deutschland damit behandelt. Hier in der Region ist die Behandlung der für den Maisanbau vorgesehenen Äcker im Frühjahr von Bedeutung. Dabei soll der Anteil der behandelten Maisanbauflächen deutschlandweit bei 41 Prozent liegen. Diese höhere Quote lässt sich durch das langsamere Jugendwachstum des Mais´und auch die größeren Reihenabstände erklären, die den Aufwuchs von „unerwünschten Begleitkräutern“ begünstigen. In der Landwirtschaft soll der Einsatz bezüglich Mengen zurückgegangen sein. Im privaten Bereich gab es eine Steigerung von 40 Tonnen in 2012 auf 95 Tonnen in 2014.

[Kommentar] 

Acker und Randstreifen nach Glyphosat-BehandlungFoto: ©Albrecht Dennemann
Acker und Randstreifen nach Glyphosat-BehandlungFoto: ©Albrecht Dennemann

Auf die Exaktheit der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und Dünger wird in der Diskussion um einzuhaltende Abstände und Randstreifen immer gerne verwiesen. Dass dies in der Praxis nicht immer ganz leicht ist, belegt nebenstehendes Bild aus der Obergrafschaft. Im Verlauf der Spritzung reicht – wie die Wirkung deutlich zeigt –  hier mal bis an den Ackerrand und hält auch mal einen Abstand von rund einem Meter. Hinzu kommt, dass auch bei nur leichtem Wind die „Planzenschutzmittelwolke“ auch schon mal leicht abdriften kann.  Die Verantwortung der Landwirte und Lohnunternehmen ist groß, betrifft es doch nicht nur den da gerade zu spritzenden Acker, sondern auch über die Fließgewässer einen weitaus größeren Raum. Wenn sich Wissenschaftler nicht ganz sicher sind ob der weitreichenderen Wirkungen der Pflanzenschutzmittel in der Umwelt, so kann der Landwirt vor Ort sich ganz bestimmt nicht sicher sein. Oder gar Gefahren ausschließen. Es da nicht so genau zu nehmen, reicht schon an Verantwortungslosigkeit heran. Wenn diese Pflanzenschutzmittel wirklich derart ungefährlich sind – obschon sie ja wie gerade bei Glyphosat, eine sehr offensichtliche Wirkung besitzen – wie erklärt sich dann die Beeinträchtigung der Bienen. Erwiesener Maßen ist die Bienensterblichkeit in größeren Städten erheblich geringen als in landwirtschaftlich geprägten Gegenden. Könnte man mal drüber nachdenken.

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