Licht und Schatten des Rap und was das mit Schüttorf zu tun hat

"Hä?" - Farid Bang und Kollegah 2013 in Schüttorf Foto: © Albrecht Dennemann

Die einen greifen richtig ins Klo und ein anderer bekommt den Pulitzer-Preis. Licht und Schatten. Verbindend ist, dass alle drei Rapper Kollegah, Farid Bang und Kendrick Lamar 2013 in Schüttorf aufgetreten sind. Mehr wohl nicht.

Kendrick Lamar 2013 in Schüttorf Foto: ©Albrecht Dennemann

Schüttorf. Ob die Textzeile …[…] definierter als ein Ausschwitz-Insasse […]… nun antisemitisch ist, darüber lässt sich noch diskutieren. Dass sie absolut geschmacklos ist, darüber dann nicht mehr. Insgesamt lyrisch gewagt und interpretationsfähig ist der ganze Song „0815“ von Kollegah und Farid Bang – wenn man es einmal distanziert betrachtet. „0815“ im Sinne von einfach, normal oder durchschnittlich ist der Song nicht. Er ist schlechter und es sollte doch sehr wundern, wenn dieser dereinst einmal besser bewertet werden sollte. Doch dass der Ethikbeirat des „Echo“ das Ding durchgewunken hat und den kommerziellen Erfolg  in den Vordergrund stellte, das lässt nachdenken. Ein Nachdenken, dass wohl nun auch bei den Echo-Verantwortlichen einsetzt. Sicherlich auch, weil so viele ihre Echos zurückgeben und von Posten zurücktreten. Das mit dem „Echo“ hatten sich die Verantwortlichen wohl anders vorgestellt und müssen sich nun etwas einfallen lassen, damit sich die die Musikbranche im kommenden Jahr noch feiern kann. Genügend Echos sollten sie inzwischen ja zurückbekommen haben – das spart Kosten. Sehr durchsichtig allerdings auch der Versuch von Kollegah und Farid Bang Campinos Rede bei der Echo-Verleihung als Angriff gegen die „schöne Multikulti-Rap-Szene“ zu werten. Campino war der einzige Preisträger der etwas dazu gesagt hat und dafür gebührt ihm Respekt. Noch mehr Respekt hätte er verdient gehabt, wenn er seinen Echo postwendend wieder zurück gegeben hätte. Mit keinem Wort hat der Toten-Hosen-Sänger die beiden Rapper erwähnt und hat es auf das allgemeine gesellschaftliche Phänomen des verbalen Rechtsrucks und Verunglimpfungen bezogen. Und darf man wirklich nicht nur mal sagen – das musste gesagt werden!

Kollegah und Farid Bang 2013 in Schüttorf Foto: © Albrecht Dennemann

Gänzlich anders als mit dem Fokus auf Verkaufszahlen, ist der amerikanische Pulitzer-Preis angelegt, den Kendrick Lamar in der Sparte Musik einheimste. Zum 102. Mal wurden diese Preise bereits – nahezu zeitgleich mit dem Echo – vergeben und gelten vor allem als die Top-Auszeichnungen der Journalistenbranche in den USA. Dass es auch Kategorien für Theater, Musik und Literatur gibt, fällt oft unter den Tisch. Nicht so in diesem Jahr – dank Kendrick Lamar. Dass auch Rapper Lamar für sein 2017 veröffentlichtes Album „DAMN.“ geehrt wurde, wird als Überraschung gewertet Laut Preisverwaltungs-Chefin Dane Canedy sei das Album des 30-Jährigen eine „virtuose Liedersammlung, vereint von seiner umgangssprachlichen Authentizität und rhythmischen Dynamik. Das Album biete „eindringliche Momentaufnahmen, die die Komplexität des modernen afro-amerikanischen Lebens einfangen“. Die Entscheidung sei einstimmig getroffen worden – und die Zeit reif dafür. Der Preis werfe ein völlig neues Licht auf Hip-Hop: „Das ist ein großer Moment für den Hip-Hop und ein großer Moment für die Pulitzer!“

Campino 1994 Schüttorf Open Air Foto: Jörg Everding

Wer hätte das vor fünf Jahren geahnt, als Lamar im Schüttorfer Industriegebiet in einem Tanzlokal auftrat. Kollegah, bürgerlich Felix Blume, ausgestattet mit Abitur und abgebrochenem Jura-Studium, steht sicherlich nicht für die Problematik der Migranten-Kinder, oder sonst irgendwelche Probleme. Inhaltliche Aufarbeitung von gesellschaftlichen Schieflagen? Fehlanzeige. Er steht nur für sich und seinen wirtschaftlichen Erfolg.  Bei Farid Bang ließe sich das zumindest authentischer vermuten. Doch bei ihm lediglich Verhöhnungen. Für die lyrischen Qualitäten ihrer Songs werden  Bang und sein Kollege bei gleichbleibender Thematik und Qualität sicherlich nie einen Preis bekommen. Und? Zurecht!
So liegen Licht und Schatten oft nah beieinander. Und damit auch in dem Schüttorfer Tanzlokal im Industriegebiet. Kollegah und Farid Bang waren im Juni 2013 dort und Kendrick Lamar vier Monate zuvor. Allerdings war auch Campino Anfang der 1980er Jahre mit den „Toten Hosen“ einmal in Schüttorf im Komplex zu hören und 1994 bei „Schüttorf Open Air“ in Westenberg. Das Schüttorf Open Air ist Geschichte, machte Schüttorf überregional bekannt und wird wohl nicht wiederkommen. Überregionale Bekanntheit genießt inzwischen auch das Tanzlokal im Schüttorfer Industriegebiet. Mit Lamar wurde da ein preiswürdiger Künstler verpflichtet, aber Kollegen wie Bushido, Kollegah und Farid Bang sorgten für negative Schlagzeilen. Und alles lässt sich mit Schüttorf verbinden: Positives und Negatives.

Campino 1994 Schüttorf Open Air Foto: Jörg Everding

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.