Mastanlage für 325.000 Hähnchen in Bardel?

Ein freier Hahn Foto: Dennemann

Dem Bad Bentheimer Rat liegt der Antrag eines Landwirts zum Bau einer Hähnchenmastanlage für 325.000 Tiere in Bardel vor. Seit einigen Monaten wird dies auch in Ausschüssen beraten. Öffentlich gemacht haben dies kürzlich die Bad Bentheimer Grünen und beziehen dazu Stellung.

Bad Bentheim/Bardel. Nachdem in Westenberg bereits im letzten Jahr ein Bauleitplanverfahren für 120.000 Geflügelmastplätze eingeleitet wurde, liegt nun für eine weitaus größere Anlage in Bardel ein Antrag vor. In direkter Nachbarschaft zum Kloster werde laut Grünem Ortsverband gerade aktuell ein Vorhaben angedacht, das  Ställe für 325.000 Hähnchen bieten soll. Dies sei laut OV-Vorsitzender Friedel Füser „kein bäuerlicher Familienbetrieb mehr, der eigene Flächen nutzt, sondern ein Industriebetrieb“. Laut Blixxm-Recherche sollen sich sowohl das Kloster, als auch das Missionsgymnasium negativ zu dem Vorhaben geäußert haben.
Zurzeit steht der Landkreis Grafschaft Bentheim bezüglich der Viehdichte bundesweit an vierter Stelle. „Wir haben bereits fast 2 Millionen Geflügelmastplätze auf Bad Bentheimer Gebiet – das entspricht 130 Mastplätzen pro Einwohner! Für uns GRÜNE in Bad Bentheim ist klar: Unsere Grenzen sind erreicht. Eine Bauleitplanung für solche Großvorhaben werden wir keinesfalls unterstützen – auch wenn mit Gewerbesteuereinnahmen gelockt wird. Solche plötzlich entstehenden Sondergebiete auf dem Land sind nicht nur eine massive Belastung für den Boden, das Wasser und die Luft, sondern auch für die im Umkreis lebenden Menschen“ stellen Dr. Christian Blum und Friedel Füser fest.
Worum geht es?
Hähnchenmastställe werden in der Regel für jeweils 40.000 Tiere gebaut, somit könnten – sofern nicht etwas anderes geplant ist – acht Ställe entstehen, mit jeweils einer Fläche von rund 20 Meter mal 100 Meter. Das Investitionsvolumen lässt sich nur schätzen: Laut älteren Zahlen sollen Kosten in Höhe von 11 Euro bis 13 Euro pro Stallplatz zu erwarten sein und somit ein Investitionsvolumen nur für die Ställe – ohne Erschließung, Wege und weiteres – von rund 4 Millionen Euro (basierend auf Zahlen aus 2011). Vermutlich liegen die Gesamtkosten höher. Dem Vernehmen nach ist geplant, dies als gewerbliche Anlage zu erstellen, sodass auch für die Stadt Gewerbesteuer anfallen würde. Die Landwirtschaft ist normalerweise davon befreit. Da aber keine Flächenbindung vorgesehen ist, wäre die Anlage gewerblich.
Zurzeit werden in der Grafschaft Geflügel in der Größenordnung von 9.825.887 Tieren (Quelle Landkreis) gehalten. Der Bau dieser Anlage würde die Tierzahl um gut 3 Prozent steigern und dies allein mit einer Anlage.  Um den Besatz der Flächen mit Tieren zu berechnen, wurden die Großvieheinheiten (GVE) als Verrechnungsgröße erdacht. So steht eine Kuh für eine GVE, oder 666,66 Masthähnchen. Als Obergrenze werden rund zwei GVE pro Hektar angenommen. Die Anlage entspricht somit 487 GVE und hätte einen Flächenanspruch von rund 240 Hektar – eigentlich. Die Grafschaft Bentheim ist zurzeit laut NDR mit 2,55 GVE pro Hektar schon über diesem Level. Bei der Nährstofflast pro Hektar entspricht dies laut Landwirtschaftskammer 227 Kilogramm Stickstoff pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. Mais benötigt beispielsweise rund 180 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr zum Wachsen. Somit verschärft die Anlage das Problem. Bereits jetzt werden pro Jahr im Saldo  217.883 Tonnen Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist, Gärreste aus Biogas-Anlagen: Quelle LWK Niedersachsen) aus der Grafschaft exportiert. Da die Anlage gewerblich ist und aller Wahrscheinlichkeit nach der Mist in der Grafschaft nicht unterzubringen sein dürfte, müsste diese Menge zusätzlich exportiert werden. In der Mast fallen laut Landwirtschaftskammer Nierdersachsen 8 bis 10 Kilogramm Mist pro Stallplatz an, was bei dieser Anlage 2600 bis 3250 Tonnen und in der Trockensubstanz 130 bis 162 Tonnen Stickstoff entspricht. Der kürzlich neu aufgelegte „Fleischatlas“ von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique“, sieht für die Grafschaft einen Abstockungsbedarf in Höhe von 33.635 GVE – siehe Grafik unten.
Neben der Nährstoffproblematik, ist auch noch die Verbreitung multiresisten Keime wie dem MRSA (multiresistenten Staphylococcus aureus) dem sogenannten Krankenhauskeim zu beachten.
Mit dem städtebaulichen Konzept „Tierhaltungsanlagen“ hat die Stadt Bad Bentheim in 2014 versucht, die Standortsteuerung für solche Anlagen in den Griff zu bekommen. Neben dem „normalen“ Bauplanverfahren, gilt es nun auch diesen Kriterienkatalog abzuarbeiten.

Quelle: „Fleischatlas 2018 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique“

 

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