Siebeneurodreiundvierzig

siebeneurodreiundvierzig Foto: Dennemann

Bunte Lichter überall. Ein Kinderkarussell dreht sich. Darauf ein Polizeiwagen, der hinter einem Feuerwehrauto fährt. Es aber nie einholt. Er rollt brav im Kreis, wie alle anderen Fahrzeuge auch. Weihnachtsmusik und Kinderlieder ertönen aus den Lautsprechern. Wenige Schritte weiter, ein Ensemble, das Weihnachtslieder bläst. Mit dicken Backen und rotweißen Mützen. Buden bieten handgefertigte Geschenke feil. Made in China und aus der Region. Für jung und alt. Kunst neben Kitsch. Große Kinderaugen schauen unter warmen Mützen hervor. Männer und Frauen suchen die Kälte mit heißem Alkohol zu vertreiben. Überall rote Nasen, den Lockstoffen von kandierten Mandeln, gebratenen Würsten, sahnigen Waffeln und verzuckerten Bratäpfeln unwiderstehlich folgend. Ein Nikolaus aus dem Verein. Noch standfest und mit einem großen Sack. Geschenke, Geschenke, Geschenke. Aber keine Rute. Böse Kinder gibt es nicht auf dem Weihnachtsmarkt.

Foto: ©Albrecht Dennemann

Am Rande, wo die Weihnachtslichter nicht mehr leuchten, eine Sitzbank. Davor ein alter Mann mit grauem Bart. Seltsam verkrümmt auf dem Boden liegend. Ihm geht der Weihnachtsmarkt am Arsch vorbei. Den hat er auf das bunte Treiben gerichtet. Viele sehen ihn, er sieht nur die Bank vor sich. Dass er dort liegt, stört nicht. Er liegt doch am Rande, abseits vom vorweihnachtlichen Treiben.

Die bunten Lichter sind erloschen. Der Glühwein wirkungsvoll getrunken. Kein Weihnachtslied stört mehr die Stille der Nacht. Das Polizeiauto hat seine Verfolgungsjagd aufgegeben.

Mit dem Morgen kommen Männer. In leuchtfarbenen Westen und mit großen Besen. Sie kehren zusammen, was achtlos liegen geblieben ist. Wie auch der alte Mann. Vor der Bank. Man sagt, dass er sich scheren soll. Doch ihn schert nichts mehr. Nicht die Kälte, nicht der Dreck, auf dem er liegt. Nicht einmal Weihnachten. Und auch nicht seine Mütze vor ihm auf dem Boden. Darin ein kaum wahrnehmbares Glänzen. Von kleinen Münzen. 7,43 Euro zählt man. Geschenkt von jenen, die ihm sonst keine Beachtung schenkten.

Eine freierfundene Geschichte nach einer wahren Begebenheit.

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