Spöttischer Humor mit sanften Tönen

Das kulturelle Gedächtnis in Schüttorf hat einen langen Atem: Geadelt mit dem Kleinkunstpreis 2017, stand am Sonnabend das Duo „Die Feisten“ im Rahmen der „KulturPunkt-Abo-Reihe erstmals seit 2007 wieder auf der Komplex-Bühne. Die Erinnerung war so gut haften geblieben, dass das Komplex schon im Vorfeld „ausverkauft“ vermeldete. Mit dieser erfolgreichen Veranstaltung zeigt sich erneut die Bedeutung und die Wichtigkeit eines solchen kulturellen Angebots für Schüttorf und die Region.

Die Feisten Foto: © Albrecht Dennemann

Schüttorf. Als Trio „Ganz schön Feist“ standen die inzwischen ehemaligen Göttinger erstmals 1999 auf der Komplex-Bühne. Bis 2007 – und da waren sie schon zum Duo geschrumpft – sollte es nicht der einzige Auftritt geblieben sein. Wie als „Ganz schön Feist“, zeichnen sich die Musiker durch sanfte charmante Töne aus, die sich elegant in die Gehörgänge schmeicheln. Allerdings dort angekommen und verstanden wird klar: Das ist Fassade und der Spott greift um sich. Acapella sangen sie sich in die Herzen. Aber schon damals nicht ohne technische Finessen. Als „Die Feisten“ haben sie diese Unterstützung ausgebaut und sich reichhaltiger instrumentiert. Mit unterschiedlichen akustischen Gitarren (Mandoline, Sitar, Timple, Ukulele) und Cajons begleiten sie sich inzwischen. Am Stil der Songs hat sich nichts geändert. Mathias Zeh und Rainer Schacht nennen ihren Musikstil ZweiMannSongComedy und präsentieren ihre Songs minimalistisch mit starken Comedy-Elementen. Inhaltlich greifen sie Alltägliches auf, was wie abendliche Anbandelungsversuche schon im Ansatz das Missgelingen in sich bergen. „Alles hätten sie so – jeder für sich, oder auch gemeinsam erlebt. Das Kopfkino beginnt zu galoppieren. Oder aber es werden wie beim „Nussschüsselblues“ Situationen aufs Korn genommen. Da steht eine Schüssel mit Erdnüssen und jeder greift hinein. Hygiene? Schwierig und es wird der Gang zur Toilette ohne anschließendes Händewaschen eingeflochten. Das blieb haften und die Komplex-Mitarbeiter hielten folgerichtig auch Schalen mit Nüssen in der Pause bereit. Es wurde herzhaft zugegriffen.
Neues Material, aber auch bekannte Songs wie „Es ist gut, wenn du weißt, was du willst“ gab es zu hören. Eine Schlager-Persiflage in wunderbarer Zusammenstellung mit Zeilen wie „…als ich mit einen auf die Lampe goss, erschien mir der Stern von Mykonos…“, bediente kongenial auch das kollektive Schlager-Gedächtnis der Gäste. Eingeleitet wurden die Songs mit zuweilen recht langen Moderationen – die allerdings nicht minder charmant und unterhaltsam waren. „Ein Höchstmaß an Ironie“ nehmen „Die Feisten“ für sich in Anspruch, was ihnen nicht abzusprechen ist.

Die Feisten Foto: © Albrecht Dennemann

Sehr gut unterhalten konnten sich die Besucher fühlen. Die Moderationen hätten allerdings etwas kürzer ausfallen dürfen. Die Songauswahl hätte zu dem Gedanken führen können, dass ihnen nicht zu viel Neues eingefallen sein könnte. Auch wenn es verständlich ist, das sie erfolgreiche Songs nicht einfach in der Ablage verschwinden lassen. Auch muss man sich bei der Show auch immer der technischen Raffinesse bewusst sein. Der eigene Techniker hat da eine nicht zu unterschätzende Funktion und ist als Künstler im Hintergrund zu beachten. Das Lichtbild war ausgeklügelt und vor allem die akustische Präsentation. Da wurden Stimmen gedoppelt und die so entstandene zweite Stimme eine Oktave tiefer wiedergeben. Das Ergebnis: Ein voller Klang. Schon sehr tricky, aber gut gemacht.
Dass nach der KulturPunkt-Pause das Programm so gut einschlägt, hatte auch Komplex-Leiter Frieder Heckmann nicht vermutet. Die Abonnenten-Anzahl ist höher als vor der Pause und ausverkaufte Abende belegen das große Interesse. In die  so vorübergehend entstandene Lücke  stieß mittlerweile auch das Kunstwerk an der Ohner Straße vor. Dadurch hat sich eine kulturelle Landschaft in Schüttorf entwickelt, die im Umfeld ihres Gleichen sucht. Allerdings führt dies auch dazu, dass – wie am Sonnabend auch – Veranstaltungen parallel besetzt sind. Auch bei intensiver Absprache untereinander, lässt sich dies nicht immer mit den Terminplanungen der Künstler abgleichen. Die Region freut das vielschichtige und abwechslungsreiche Angebot.

 

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