Wortreiches und stilles Gedenken

Pogromgedenken Foto: © Albrecht Dennemann

In der Obergrafschaft gedachte man am Donnerstagabend der Pogromnacht vom 9. November 1938. In Schüttorf mit Ansprachen und in Bad Bentheim mit einem halbstündigen stillen Gedenken wurde die Ereignisse ins Gedächtnis gerufen, die in der Folge den unvorstellbarsten Völkermord der Geschichte nach sich zogen.

Pogromgedenken in Schüttorf Foto: © Albrecht Dennemann

Schüttorf/Bad Bentheim. In Bentheim hat das Gedenken eine längere Tradition. In Schüttorf setzte dies offiziell erst vor ein paar Jahren ein, nach der Errichtung des Gedenksteins für die in der NS-Zeit ermordeten und geflüchteten jüdischen Schüttorfer, an dem sich rund 40 Schüttorferinnen und Schüttorfer versammelt hatten. . Inoffiziell wurde sicherlich auch in Schüttorf gedacht, aber nicht offiziell und öffentlich. Lange sah man in der Vechtestadt von den weit verbreiteten „Stolpersteinen“ ab. Die „Messingsteine“ markieren mit Namen, Todesort, Geburts- und Todestag versehen, wer in den jeweiligen Häusern gewohnt hat. In Schüttorf sollte am Rathaus der Gedenkstein mit allen Namen der Schüttorfer Juden das Vergessen verhindern, die Erinnerung wach halten und auch mahnen, dass so etwas nie wieder geschehen möge. In Schüttorf gibt es zwar nach wie vor einen jüdischen Friedhof (Samernsche Straße), aber eine Synagoge hat es dort nicht gegeben.
In Vertretung für Samtgemeindebürgermeister Manfred Windhaus erinnerte dessen erste Stellvertreterin Stephanie Hopmann an das Pogrom vom 9. November 1938, das von den Nazis „verharmlosend als Kristallnacht“ dargestellt wurde. Nicht allein SA-Schergen waren es, sondern auch viele „normale“ Bürger, die sich an diesem reichsweit organisierten Pogrom beteiligten. Getragen wird das Gedenken in Schüttorf vom Oekumeneausschuss der reformierten, lutherischen und katholischen Kirchengemeinde. In diesem Jahr erinnerte Pastor Konrad Pfannkuche von der lutherischen Gemeinde  an diese Zeit. „Täglich ruft der Gedenkstein zum Gedenken auf, doch am Jahrestag in besonderer Weise“, so Pfannkuche. 288 Mal spricht die Bibel laut Pastor Pfannkuche von Gedenken, das er mit Zitaten belegte. Doch fragte sich der Pastor auch, wohin unsere Gesellschaft gekommen sei, wenn auch heute noch jüdische Einrichtungen von der Polizei geschützt werden müssen, um Anschläge zu verhindern. Kritik am Staat Israel würde schnell in Hetze gegen das Volk Israel umkippen. Kritik und mahnende Worte dafür, dass das was zum Holocaust geführt hatte, bei weitem noch nicht überwunden zu sein scheint. „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“ – selten mag dieser Gebetsteil so passend erscheinen, wie an diesem Tag. Pfannkuche und Gedenkgemeinde schlossen gemeinsam mit dem „Vater unser“ und wurden Kränze niedergelegt, Kerzen aufgestellt und einige legten nach jüdischem Ritus kleine Steine auf den Gedenkstein.
Nach langer Diskussion sollen nun am 20.12. auf Initiative des Oekumeneausschusses auch in Schüttorf „Stolpersteine“ verlegt werden. Gemeinsam mit dem Initiator dieser bundesweit verbreiteten Aktion, dem Künstler Gunter Demnig, werden dann in der Jürgenstraße, der Föhnstraße und am Markt „Stolpersteine“ in das Pflaster eingelassen. Blixxm wir es vorher noch einmal ankündigen.

Pogromgedenken in Bad Bentheim Foto: © Albrecht Dennemann

Bad Bentheim hatte mit dem ehemaligen Standort der Synagoge schon immer einen Ort, an dem sich das Gedenken festmachen ließ. Mit Kerzen in den Händen versammelten sich dort 35 Bentheimerinnen und Bentheimer um eine halbe Stunde lang in Stille der Ereignisse von vor 79 Jahren zu gedenken. Schon seit Jahren zieren „Stoplersteine“ auch das Pflaster vor Häusern in der Wilhelmstraße, aber auch der Gedenkstein in der Synagogenstiege erinnert täglich an diesen beispiellosen deutschen Sündenfall an der Menschlichkeit. Dieses Gedenken ist auch nach all den Jahren wichtig. Nicht damit die Menschen Verantwortung für das Geschehene übernehmen, sondern Verantwortung dafür, dass so etwas nie wieder geschehen möge. Im Anschluss wurde wie in jedem Jahr, um eine Spende für eine Schule des YMCA in Jerusalem gebeten.

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