Batavia-Modell dem Sandsteinmuseum gespendet

vlnr: Manfred Flucht, Dr. Christa Henning, Dr. Helmut Bock, Elisabeth vor der Straße Foto; © Albrecht Dennemann

Nein, ein Schifffahrtsmuseum wird das Bad Bentheimer Sandsteinmuseum nun nicht auch noch. Und doch steht das am Dienstag dem Sandsteinmuseum gespendete Modell der “Batavia” im engen Zusammenhang mit dem Bentheimer Gold.

Modell der Batavia nun im Sandsteinmuseum Foto; © Albrecht Dennemann

Bad Bentheim. Am Dienstagvormittag übergab Dr. Christa Henning aus Friedeburg in Ostfriesland dem Bad Bentheimer Sandsteinmuseum ein Modell der “Batavia”. Ihr inzwischen verstorbener Mann Dr. Peter Henning hatte nach einem Besuch des originalgetreuen Nachbaus des Schiffes in Lelystad (NL) sich so für das Schiff und die Geschichte begeistert, dass er ein Modell anfertigte. Vier Winter habe der Bau gedauert und dennoch würden sich Modellbauer erregen: Es ist nicht wie das Original, denn Dr. Henning baute an der Steubordseite “Fenster” ein, so dass man einen Blick in das Schiff erhaschen kann. Mit enorm viel Liebe zum Detail hat Dr. Henning auch die Figuren selbst geschnitzt und damit Alltagsszenen des Lebens an Bord des Schiffes dargestellt. Für sein Modell standen ihm Pläne des Nachbaus zur Verfügung. Was zunächst praktisch und machbar klingt bereitete ihm laut seiner Frau Sorgen und Mühe. Schließlich mussten die Maßstäbe heruntergebrochen werden und die Mathematik war wohl nicht unbedingt sein Steckenpferd. Schließlich gelang es und das Sandsteinmuseum freut sich nun über dieses Modell, das sogar über eine elektrische Beleuchtung der Innenräume verfügt. Elisabeth vor der Straße, die Vorsitzende des Museums und ihr Vorstandskollege Reinhard Neumann nahmen das Schiff mit Begeisterung entgegen. Vermittelt hatte dies Willi Eberhard Vahrenhorst. Der Niederländer mit Bentheimer Wurzeln und seine Frau kennen Dr. Christa Henning aus anderen Zusammenhängen und vermittelten die Spende an das Museum. Sehr passend, da auch der Museumsverein die Batavia längst in den Fokus genommen hat. Eine Ausstellung zum Thema soll erarbeitet werden, wozu die umfangreiche Materialsammlung von Dr. Peter Henning ein wichtiger Grundstock ist. Aber auch der von Dr. Helmut Bock verfasste Text dürfte wichtiger Bestandteil der Sonderausstellung werden.
Doch was hat das alles mit Bentheim zu tun?

Batavia-Nachbau in Lelystad Foto: Dennemann

Als 1963 das Wrack wiederentdeckt wurde, fanden sich nach über 300 Jahren im Wasser nicht viele Teile wieder, aber ein Teil der Fracht blieb erhalten: Ein Portalbogen aus Bentheimer Sandstein, der ein Gebäude in Batavia, dem heutigen Jakarta schmücken sollte. Es wurde geborgen und in Geraldton (AUS) im Museum wieder aufgebaut. Sogar eine Kopie wurde in angefertigt, die im Museum in Freemantle ihren Platz fand. Bereits vor Jahren war Liesel Schmidt, die vorherige Vorsitzende des Museums auf die Geschichte aufmerksam geworden. Auch der Obergrafschafter Künstler Manfred “Doci” Flucht hatte die Geschichte aufgegriffen. Ein Sandsteinwürfel mit einer auf Metall geprägten Zeichnung Fluchts, findet sich mittlerweile auch im Museum in Freemantle.
“Die „Batavia“ gehörte der größten Schiffsklasse der VOC (Vereenigde Oostindische Compagnie) an, den sogenannten Rückkehrschiffen („Retourschepen“), wobei die „Batavia“ selbst das bis dahin größte Exemplar ihrer Klasse war. Sie wurde in den Jahren 1627-28 nach einem Entwurf des Schiffsbauers Jan Rijksen in 183.000 Arbeitsstunden gebaut und kostete rund 100.000 Gulden, zu damaliger Zeit ein fast unvorstellbares Vermögen. Sie wurde nach der Festung Batavia (dem heutigen Jakarta) auf der Insel Java benannt, die den niederländischen Kolonialisten als Zentrum ihrer ostindischen Aktivitäten diente”, schreibt Dr. Helmut Bock in einem Beitrag für das Bentheimer Jahrbuch.

Modell der Batavia nun im Sandsteinmuseum Foto; © Albrecht Dennemann

Bereits auf ihrer Jungfernfahrt 1629 lief die “Batavia” vor Australien auf ein Riff und havarierte. “In der stürmischen Brandung zerbrach die „Batavia“ nach und nach, bis sie am 12. Juni 1629, neun Tage nach der ungewollten Strandung, endgültig von den unentwegt anrollenden Brechern zermalmt wurde und sank. Die Mehrzahl der Schiffsbrüchigen, insgesamt 198 Männer, Frauen und Kinder, konnten sich auf Beacon Island retten, ein trostloses Inselchen, das später auch als „Batavia Friedhof“ benannt werden sollte. Es begann nun ein Martyrium mit Meuterei, Mord und Totschlag, Gier auf die versunkenen Gold- und Silberschätze der „Batavia“ und schierem Überlebenswillen. Dies alles ist ein wesentlicher Grund für den bis heute andauernden Mythos der „Batavia“. „Sie landeten im Paradies, doch ein einzelner Mann machte ihnen das Leben zur Hölle“, so der Untertitel von Mike Dashs lesenswertem Buch „Der Untergang der Batavia“. Zum Mythos beigetragen hat aber auch die wundersame Rettung der bis dahin Überlebenden drei Monate nach dem Untergang der „Batavia“, das anschließende Gerichtsverfahren über die Meuterer und die Vollstreckung der Urteile unmittelbar vor Ort sowie das Aussetzen von zwei der Verurteilen, Wouter Loos und Jan Pelgrom, an der unwirtlichen Küste Westaustraliens. Von ihnen hat man nie wieder etwas gehört. Verschiedene Indizien deuten jedoch darauf hin, dass sie in Kontakt mit Aborigines kamen und Nachkommen hatten. Sie wären damit die ersten Europäer, die in Australien sesshaft wurden, anderthalb Jahrhunderte vor der Besiedlung durch die Engländer, beginnend mit der Landung von James Cook in Sydney im Jahre 1788”, ist bei Dr. Helmut Bock zu lesen.

Dr. Christa Henning und Reinhard Neumann Foto; © Albrecht Dennemann
Modell der Batavia nun im Sandsteinmuseum Foto; © Albrecht Dennemann
Modell der Batavia nun im Sandsteinmuseum Foto; © Albrecht Dennemann
Modell der Batavia nun im Sandsteinmuseum Foto; © Albrecht Dennemann
Modell der Batavia nun im Sandsteinmuseum Foto; © Albrecht Dennemann
Modell der Batavia nun im Sandsteinmuseum Foto; © Albrecht Dennemann

 

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