“Der Markt schreit nach Hühnerfleisch…”

Jürgen Niemeier in einem seiner Hähnchenställe Foto: Albrecht Dennemann

Nach der Berichterstattung über den möglichen Ausbau der Hähnchenmast auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Bardel auf 325.000 Mastplätze, meldete sich der betroffene Landwirt Jürgen Niemeier bei Blixxm. Der Einladung zu einer Betriebsbesichtigung und einem Gespräch sind wir gerne nachgekommen.

vlnr: Jürgen und Gerd Niemeier Foto: Albrecht Dennemann

Bardel. Das Entsetzen über die Größenordnung und die Intensität der geplanten Hähnchenmastanlage hatte für Aufsehen gesorgt. Jürgen Niemeier und sein Vater Gerd wollten nun ihre Sicht der Dinge darstellen. Wenn alle Anträge “durchgehen” würden, dann, aber auch nur dann könnte auf dem Betrieb 325.000 Hähnchen gemästet werden. Hinter dem Vorhaben stecke laut Jürgen und Gerd Niemeier kein ominöser Investor sondern allein die Familie Niemeier, machte sie deutlich, um Spekulationen vorzubeugen.
38.000 Plätze – belegt werden aber nur 35.000 – haben sie in zwei Ställen jetzt schon und beantragten in 2010 zwei Ställe für jeweils 42.250 Tiere – insgesamt also 84.500 Plätze. Seit sieben Jahren liegt dieser Altantrag nun bei der Kreisverwaltung zur Bearbeitung. Bis 2012 waren solche Stallbauten der Landwirtschaft privilegiert, was bedeutet, dass kein gesonderter Bebauungsplan erstellt werden musste. Seit 2012 muss nun für solche Bauten dieser Plan geändert, oder auch erstmals erstellt werden. Große Hoffnung würden sie auf eine Genehmigung des Antrages aus 2010 nicht setzen, weshalb sie nun eine Bebauungsplanaufstellung für insgesamt vier Ställe mit je 50.000 Mastplätzen eingereicht hätten. Aber auch, weil Niemeiers in der Hähnchenmast gute Zukunftschancen sehen, denn “Der Markt schreit nach Hühnerfleisch”, wie sie sagen. Für diese Planaufstellung des Bebauungsplanes ist zunächst die Stadt Bad Bentheim zuständig. Seit einigen Monaten liege der Antrag nun bei der Stadt und wurde auch schon im nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschuss beraten. Dass ihr Antrag nun von den Grünen in die Öffentlichkeit getragen wurde, darüber sind die Landwirte nicht glücklich.

Hähnchenmast auf dem Hof Niemeier in Bardel Foto: Albrecht Dennemann

In der nächsten Sitzung des Bauausschusses am Montag den 26. Februar, wird der Antrag zwar nicht öffentlich beraten und dennoch ist er indirekt Thema. Der Antrag der Grünen auf Änderung des städtebaulichen Konzeptes zur Ausweisung von Tierhaltungsanlagen dürfte einen direkten Bezug zum Vorhaben in Bardel haben. Aufgrund der Änderung des Baurechts für landwirtschaftliches Bauen (Abschaffung der Priviligierung), hatte die Stadt Bad Bentheim in 2014 einen Kriterienkatalog (städtebauliches Konzept) für das landwirtschaftliche Bauen und hier insbesondere hinsichtlich des Baues von Tierhaltungsanlagen verabschiedet. Ziel war es damit die Bau von solchen Anlagen steuern zu können. Damit verbunden sind aber – außerhalb des städtischen Kriterienkatalogs – auch die Anhörung von Anliegern, Trägern öffentlicher Belange eine Umweltverträglichkeitsprüfung und viele weitere Verfahrensschritte.

Hähnchenmast auf dem Hof Niemeier in Bardel Foto: Albrecht Dennemann

Gehen alle Anträge durch, dann könnten auf dem Hof Niemeier rund 325.000 Tiere gemästet werden. Wird der Altantrag nicht genehmigt, der neue Antrag hingegen schon, so werden es 238.000 Plätze sein. Geht kein Antrag durch bleibt es bei 38.000 Tieren plus die 120 Mastbullen, die allerdings beim Ausbau der Hähnchenmast aufgegeben werden müssten. Auf der Betriebsfläche von 18 Hektar ließe sich der Ausbau der Hähnchenmast dann nicht mehr hinsichtlich Großvieheinheiten und Flächennachweis für den Mist darstellen. Deshalb würde dann zumindest ein Teil des Betriebes gewerblich und damit gewerbesteuerpflichtig und der anfallende Mist müsste laut Jürgen Niemeier in die neuen Bundesländer “exportiert” werden. Einfach machen kann es sich allerdings auch nicht der Rat der Stadt Bad Bentheim, da schon berechtigte und belegbare Gründe für die Versagung der Aufstellung eines Bebauungsplanes vorliegen müssen. Aus den vielzitierten gut informierten Kreisen hieß es dazu, dass man eine weitere Klausel in den städtischen Kriterienkatalog einbauen wolle, um das Vorhaben die Zustimmung verweigern zu können. Demnach soll eine Genehmigung an die nachzuweisen landwirtschaftliche Qualifikation geknüpft werden. Niemeier Junior ist gelernter Schlosser/Fahrzeugbauer, aber nicht gelernter Landwirt. Allerdings hat er Kurse belegt und entsprechende Qualifikationen erworben, so dass er sich Landwirt, aber nicht gelernter Landwirt nennen darf.

Hähnchenmast auf dem Hof Niemeier in Bardel Foto: Albrecht Dennemann

Seit 1966 würden Niemeiers auf ihrem seit 1650 im Familienbesitz befindlichen 18 Hektar großen Betrieb schon Hähnchen mästen. “Damals hatten wir 6000 Hähnchen und so viel konnte damals die Schlachterei an einem Tag verarbeiten. Heute sind es gut 300.000 Tiere die innerhalb eines Tages geschlachtet werden können”, machte Gerd Niemeier den Wandel in der Landwirtschaft anhand dieser Zahlen deutlich. Nach und nach und nach der Aufgabe der Milchviehhaltung in 2007, hatten sie die Stallkapazitäten bis auf heute 38.000 Mastplätze ausgebaut.  Zusätzlich halten Niemeiers noch 120 Mastbullen. Allerdings würden mit 35.000 Tieren bei der Aufstallung die Kapazitäten nicht voll ausgeschöpft. Die Hähnchen der Rasse “Ross 308” werden als Eintagsküken aufgestallt. Der Stall ist dann mit einer Einstreu aus Dinkel-Spelzen vorbereitet. Die Spelzen würden sich durch eine hohe Saugfähigkeit auszeichnen und es müsste im Laufe der Mast auch nicht nachgestreut werden. Wenn die Tiere etwas älter sind, würden auch noch Strohballen als “Spielmaterial” in die Ställe gelegt. Wasser wird über sogenannte “Cups”, kleine Tränkebecken und Futter über automatisch zu befüllende Futterstationen zur Verfügung gestellt. Die Hähnchen brauchen Wärme. Zwei Gasbrenner heizten den Stall bei der Besichtigung auf rund 30 Grad auf. Die neun Tage alten Küken schienen sich wohl zu fühlen und dass es 20.000 Tiere in dem 16 Meter mal 100 Meter großen Stall waren, konnte so nicht empfunden werden. Die Geruchsintensität entsprach der Erwartung.

Hähnchenmast auf dem Hof Niemeier in Bardel Foto: Albrecht Dennemann

Nach 35 Tagen würden 30 Prozent der Tiere mit einem Gewicht von 1900 Gramm gefangen und geschlachtet. Diese würden dann von der Schlachterei als Brathähnchen, wie an den mobilen Bratereien, vermarket. Geschlachtet würde im Betrieb des europaweit tätigen Unternehmens “Plukon” in Goor in den Niederlanden. Dies geschieht aber auch, da es ansonsten für die Endmast der Tiere zu eng werden würde und Grenzwerte beim Tierbesatz überschritten würden. Mit dem 45. Tag würden dann die restlichen 70 Prozent der Tiere ausgestallt und bei Plukon geschlachtet und für den Export nach Großbritannien für die Fast-Food-Kette McDonald´s vorbereitet. Von den Elterntierbeständen, den Brütereien, über Mast, Schlachtung und den jeweiligen Transporten sei das System eng miteinander abgestimmt. Alle 49 Tage würde aufgestallt, sodass nur wenig Spielraum sei. Dies bedingt allerdings auch, dass nichts “schief” gehen dürfe. Niemeiers würden sich zwar bemühen keine Antibiotika einzusetzen, was sich laut Jürgen Niemeier allerdings nicht immer vermeiden ließe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.