Deters-Bau unter Denkmalschutz

Diening-Bau heute Foto:© Albrecht Dennemann

Das Gebäude-Ensembel am Schüttorfer Markt, bestehend aus dem sogenannten Deters-, Niehaus- und Bültmann-Bau, wird laut Mitteilung der Schüttorfer Stadtverwaltung unter Denkmalschutz gestellt. Unter architektonischer, aber auch städtebaulicher Betrachtung, hatte das Landesamt für Denkmalpflege in Hannover, auf gemeinsamen Vorschlag von Stadt Schüttorf und Landkreis Grafschaft Bentheim, die drei Gebäude geprüft und aufgrund ihrer Einzigartigkeit in der Region als schützens- und erhaltenswert eingestuft.

Diening-Bau: Deters- und Bültmann-Bau bereits fertig, Niehaus im Bau Foto: unbekannt Sammlung: Bernd Sundag

Schüttorf.”Wie bitte???”, mag es manchem Schüttorfer entfahren, gelten die Gebäude in der Bevölkerung, neben dem Abriss der Burg Altena, als die größte städtebauliche Sünde des vergangenen Jahrhunderts. Das Landesamt für Denkmalpflege stellt jedoch in ihrer Betrachtung die aktuellen Baukörper in den Mittelpunkt und vergleicht nicht mit den Gebäuden, die diesen Baukörpern weichen mussten. Zudem wird auch nicht beurteilt, wie es sich zu den umstehenden Gebäuden verhält. In drei Bauabschnitten zwischen 1960 und 1965 entstanden die Flachdachhäuser nach Plänen des Nordhorner Architekten Willy Diening. Diening zeichnet unter anderem auch verantwortlich für den Klinker-Rundbau am heutigen DOC (FOC) in Ochtrup. Mit dem Klinker-Rundbau in Ochtrup, ist das Schüttorfer-Gebäude-Ensemble bereits das zweite von Willy Diening geplante Objekt, das unter Denkmalschutz gestellt wird. Der Ochtruper Bau wirkt verglichen mit dem Schüttorfer Ensemble eher schlicht, da dieser Baukörper ausschließlich praktischen Zwecken, nämlich als Warenlager dienen sollte. Das ohne jeden Schnörkel im Bauhausstil erbaute Lager, ist auch heute noch ein Hingucker.

Fotos: unbekannt Sammlung: Bernd Sundag

Gänzlich anders die damalige Situation in Schüttorf: Was erst Ende der 1960 Jahre gesellschaftlich für Bewegung sorgte, hatten Künstler und Architekten in der Entwicklung längst vorweggenommen: Die Moderne. Und diese sollte neben einer autogerechteren Durchfahrt auch in Schüttorf Einzug halten. Zuvor standen dort am Markt fünf Gebäude. Ausgehend von der heutigen Stadt-Apotheke in Richtung Rathaus waren dies: das Wohn- und Geschäftshaus des Obst- und Gemüsehandels Koopmann, das von der Familie Wübbeling bewohnte Metlerkamp´sche Haus, das Wohn- und Geschäftshaus des Textil- und Kolonialwarenhandels Kaldemeyer/ten Brink, das zweistöckige Haus der Familie Edel und das Haus Niehoff, das eine sogenannte “Tauschbörse”, aber auch einen Tabakwarenhandel beherbergte. Das Niehoff´sche Haus stand noch vor dem heutigen Bültmann-Bau in Richtung Rathaus, weshalb die dortige Durchfahrt damals erheblich enger und somit autounfreundlicher war. Der Umbau des Areals bewirkte damals also auch eine Beseitigung der mittelalterlichen Enge und eine einfachere Durchfahrt. Mit zur damaligen Bauentscheidung mag beigetragen haben, dass man sich nach dem Krieg und der NS-Zeit, von der Vergangenheit abwenden und der Zukunft – wie man sie damals erhoffte – zuwenden wollte: Autogerecht, offener und vor allem nicht allzu kleinstädtisch. Hinter dieser Zeile befand sich – auf dem Gelände des heutigen Parkplatzes – ein weiteres Wohnhaus. Als erstes wurde 1960 das Koopmansche Haus abgerissen. Jahre zuvor war schon das Haus Metlerkamp beseitigt worden, sodass der Tierarzt Dr. Deters seinen langgestekten Baukörper errichten konnte. Im Erdgeschoss befand sich das Modehaus Niehaus (vormals an der Ohner Straße “achter de Bahn”) und ein Spar-Markt. In den vergangenen Jahren wechselten die Mieter und die Nutzung. Vom Drogeriemarkt “Ihr Platz” kündet noch immer die Leuchtreklame. Diese soll auf Wunsch des Denkmalamtes auch erhalten bleiben. In den Folgejahren wurden zunächst das Haus Edel, anschließend das Haus Niehoff abgerissen und dort der Bültmann-Bau errichtet. Als letzter Bau folgte 1965 der Abriss des Hauses Kaldemeyer/ten Brink und der Niehaus-Bau (ehemals Sundag/Wissing) in der Baulücke zwischen Deters- und Bültmann-Bau. In diesem Gebäude wurde ein weiterer Teil des Modehauses Niehaus untergebracht.

Diening-Bau: Kurz vor Fertigstellung Deters-Bau Foto: unbekannt Sammlung: Bernd Sundag

Die in Stahlskelettbauweise errichteten Gebäude greifen dennoch auch regionaltypische Bauelemente und -traditionen auf. Die angedeuteten Lisenen – senkrechte schmale und leicht hervortretende vertikale Verstärkungen der Wände – aber vor allem die Fachwerkbauweise und der Klinker, waren Vorbild für die Fassaden- und Gebäudestruktur. Zwar wurde in Schüttorf mit dem Hochbau an Schümer Werk II (Nordhorner Straße) schon vor dem 1. Weltkrieg die Stahlbetonskelettbauweise eingesetzt, doch das Gebäudeensemble am Markt greift diese Bauweise erstmals im innerstädtischen Bauen Schüttorfs auf. “Die klar strukturierte, ehrliche, aber auch sachliche Architektur ist sehr deutlich durch das Bauhaus inspiriert und so auch in der weiteren Umgebung Schüttorfs nicht erhalten”, begründet das Landesamt für Denkmalpflege. Zumal die Gebäude mit den Arkadengängen an sehr prominenter Stelle ortsbildprägend sind und nahezu optimale städtebauliche Akzente setzen würden. Die in Richtung Rathaus abfallen abgestuften Häuser folgen damit der psychologischen “Leserichtung” von links nach rechts und sorgen für eine Ruhe in der Wahrnehmung der Betrachter. Zudem würden die Gebäude heute in der Fassadenstruktur Elemente der Organischen Architektur aufgreifen und Analogien zur Verästelung der davor stehenden Bäume herstellen. Das Ensemble sei in Form und Materialwahl in seiner Zeit sicherlich ein städtebauliches Statement gewesen. Dies ist es aber heute noch und soll nun fortan von Amtswegen  geschützt und mit einer enger gefassten Veränderungssperre belegt werden. Dies dürfte sich auf den Verkaufswert der Objekte sicherlich nicht wertsteigernd auswirken. Der Deters-Bau ist unlängst saniert worden, aber die Veränderungen müssten nun aber auch nicht rückgebaut werden, da sie sich in das Gesamtbild und die Architektur einpassen. Der Niehaus-Bau ist im Besitz der Stadt und nur der Bültmann-Bau bereitet den Verantwortlichen der Stadt seit Jahren Sorgen. Die Stadt möchte gerne kaufen, doch die Erben-Gemeinschaft konnte sich bislang nicht dazu durchringen.
Auf Vorschlag der Schüttorfer Verwaltung soll das Gebäude-Ensemble zukünftig zu Ehren des Architekten “Diening-Bau” heißen. Allerdings ist sich die Politik noch nicht einig. Aus Koalitonsräson mochte sich die CDU nicht gegen den Vorschlag “Diening-Beton-Baracke” von Friedbert Troll, vom CDU-Juniorpartner “Schüttorfer Liste” stellen. Die SPD/FDP-Gruppe macht ihre Zustimmung bei der Namensgebung von einem zukunftsweisenden Innenstadtentwicklungskonzept abhängig, in das nun auch der “Diening-Bau” prominent eingepflegt werden müsse.  Die Gruppe Grüne/Linke muss noch in ihren Ortsverbänden diskutieren, ob solch ein energetisch und ökologisch zweifelhafter Bau überhaupt geehrt werden solle. Heiko Brüning, bei der Samtgemeinde zuständig für das kommunale Marketing, ist dennoch schon beauftragt mit Plänen und Modellen des Architekten eine kleine Ausstellung vorbereiten, die im Foyer der alten Kirchschule aufgebaut werden soll. Ausgestellt werden soll auch das Modell aus dem Bauamt für die Planungen der autogerechten Stadt Schüttorf aus den 1960er Jahren. Sicherlich auch um zu zeigen, was trotz der einen oder anderen Bausünde der Stadt erspart geblieben ist. Zusätzlich sollen die Gästeführer*innen hinsichtlich des “Diening-Baus” geschult werden, um Gästen der Stadt auch diesen Bau in das rechte Licht rücken zu können. Spezielle Diening-Führungen seien ebenfalls angedacht, um diesem architektonischen Ensemble gerecht zu werden.

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Diening-Bau heute Foto:© Albrecht Dennemann

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