Erstes Schüttorfer Business-Frühstück fand Anklang

Diskussionen hatte es in Rat und Ausschüssen ob der Sinnhaftigkeit eines Business-Frühstücks gegeben. Zumal die Stadt es finanzieren sollte – auf Wunsch der CDU/SL.  Am Mittwochmorgen fand nun das erste Frühstück für Unternehmen und Unternehmer im Kunstwerk an der Ohner Straße statt. Als Referent hatte man sich Ralf Hilmes von der Wirtschaftsförderung des Landkreises eingeladen. Weit mehr als die 50 angemeldeten Gäste waren der Einladung gefolgt und somit klärte sich die Bedarfsfrage auch: Es ist gewünscht.

Stadtdirektor Manfred Windhaus beim Business-Frühstück im Kunstwerk

Schüttorf. Vorweg: Keine Kanapees, kein Sekt und auch keine Kaffee-Spezialitäten, sondern fertig belegte Brötchen und Pump-Kaffeekannen standen auf den Tischen im Kunstwerk an der Ohner Straße. Praktisch, nüchtern und vollkommen ausreichend Nach einer Begrüßung durch Jan Ruschulte, dem Vorsitzenden des städtischen Wirtschafts- und Tourismusausschusses, ging es dann auch fast schon zur Sache. Leicht verspätet traf Ralf Hilmes, Mitarbeiter des Landkreises in der Wirtschaftsförderung ein und legte denn auch gleich los. Die Grafschaft ist toll und insbesondere rund um das Schüttorfer Kreuz hat sie sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Ein wenig Honig ums Maul, das freute. Gut, aber es gibt auch Probleme und den Blick in die Zukunft. Fachkräftemangel und Digitalisierung. Hilmes stellte dar, welche Beratungsangebote und Hilfen die Wirtschaftsförderung bereit hält und was in Sachen Digitalisierung, Mobilfunknetze und Fachkräftegewinnung unternommen wird. Beim Breitbandausbau sei man auf einem guten Weg, auch wenn das, wie in Samern, zunächst nur mit Übergangstechnologien zu realisieren ist. Dicke Bretter seien aber bei der Verbesserung des Mobilfunknetzes zu bohren. Da sich ein Ausbau für die Mobilfunkanbieter wohl nicht lohne, strebe man in Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen eine Initiative an.

Business-Frühstück im Kunstwerk

Ein großes Problem sei laut Hilmes auch in der Grafschaft der Fachkräftemangel. Demografischer Wandel, Abwanderung und die Bevorzugung von Berufen am Schreibtisch nannte der Landkreismitarbeiter als Gründe. Sich seinem Auftreten im weißem Hemd durchaus bewusst, stellte Hilmes heraus, dass man auch in gewerblichen Berufen Karriere machen könne. Aber auch die Mitarbeitergewinnung hat der Landkreis im Fokus und Hilmes präsentierte ein Video, dass eigentlich im noch nicht eröffneten neuen Nordhorner Kino laufen sollte – als Preview sozusagen. Der Plot: Hübsche junge Grafschafterin stellt sich in der großen Stadt bei einem Unternehmer vor, oder führt ein Job-Entwicklungsgespräch. Dieser sitz wie Schluck Wasser in Kurve und latent amüsiert lächelnd  reagiert er auf die Vorstellungen der jungen Frau, die über die eigentliche Beschäftigung hinaus gehen. “Wenn sie das wollen, dann gehen sie besser in ihr Fürstentum zurück”, kommentiert er – “Grafschaft” wirft sie ein, schiebt noch etwas hinterher, lobt den Kaffee und geht. 30 Sekunden. Amüsant aber möglicherweise ein Clip, der eher Grafschafter darin bestärken könnte hier zu bleiben und weniger dazu geeignet ist Auswärtige zum Umzug zu bewegen. Getreu Cäsar: “Lieber der Erste in meinem Dorf, als der Zweite in Rom”. Letztendlich ist es aber auch eine Adaption des Rheinenser Clips (siehe Video-Link oben). Ob es zieht? Wer weiß? An und für sich ist es selten eine gute Idee, sich mit bildlichen (arroganter Großstädter), oder inhaltlich negativen Argumenten zu profilieren. Und Grafschaft taucht nur einmal auf und geht fast unter. Ist damit klar herausgestellt, wohin die Anzusprechenden umziehen sollten? Allerdings gut eine Frau als positiv besetzte Hauptprotagonistin zu wählen, denn die Job-Entscheidung hängt bei Ehepaaren doch stark an der Frau. Wenn sie nicht will, dann geht nichts. Ist sie davon überzeugt sich in der Grafschaft niederzulassen, ist das schon mehr als die halbe Miete.

Ralf Hilmes beim Business-Frühstück im Kunstwerk

Allerdings bietet der Landkreis in seiner Wirtschaftsförderung vielfältige Hilfen, wenn denn jemand geworben wurde. Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche für die Ehefrau und bei Immobilien. Die harten Standortfaktoren wurden heraus gestellt. Ein paar weiche dann auch nachgeschoben. Allerdings sind die Kosten für Kita und die Verfügbarkeit beispielsweise in NRW erheblich besser. Und was ist mit anderen weichen Standortfaktoren, wie dem kulturellen Angebot? Denn was nützt es, wenn man Job, Kita, Schule, Sport und Einkauf geregelt hat und in der Freizeit dennoch Bedürfnisse hat, die vor Ort nicht zu bedienen sind. Davon war leider nichts zu hören, obwohl selbst die IHK dies als wesentlichen Punkt für Kommunen herausgearbeitet hat, um im Konzert der Standort-Konkurrenz bestehen zu können.  Ein Blick an die Schulen kann erhellend sein. Viele jüngere Lehrkräfte pendeln täglich aus Osnabrück, Münster, Lingen und Rheine in die Grafschaft. Trotz Job in der Grafschaft, wohnen sie lieber in größeren Städten.
Insgesamt eine erfolgreiche Veranstaltung, die, wenn sie denn auch zukünftig für die Teilnehmer einen Mehrwert verspricht, durchaus zukunftsfähig ist. Allerdings könnte ein Büffet förderlicher für die Kommunikation sein. Auch fragte sich der eine oder andere Unternehmer, warum er denn nicht dafür zahlen solle. Ein “Sparschwein” war hingegen aufgestellt. Für die Kosten hatte die Ratsmehrheit einen Etat im städtischen Haushalt einstellen lassen. Die Einladungen waren an die Mitglieder des Wirtschaftsstandort Schüttorf e.V. (WiSev) und die Mitglieder des Stadtmarketingverein “Pluspunkt” gegangen. Wer nicht in einem dieser Vereine Mitglied ist, ging leer aus. Über diese Kreise hinaus, gibt es auch noch Unternehmer, die aber keinen Zugang hatten.

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