Es wird eng in den Schüttorfer Kitas

Archivbild Kita "Pfefferkšörner" in Samern

Die Kindertagesstätten in der Stadt Schüttorf sind im Bereich der Regelplätze (3 bis 6 Jahre) weitgehend belegt. Trotz der im letzten Jahr neu eröffneten Krippe am ev.-ref. Kindergarten an der Mauerstraße, reichen die Krippenplätze nicht aus. In der Kindertagesstätte „Die Pfefferkörner“ in Samern fehlen 13 Plätze für über Dreijährige und insgesamt in der Samtgemeinde mehr als 30 Krippenplätze.

Kita Rüskauer Rasselbande Foto: ©Albrecht Dennemann

Schüttorf. In der Sitzung des Jugend-, Sport-, Kultur- und Integrationsausschusses am Montag leitete Elfriede Verst mit diesen zunächst dramatisch klingenden Worten ein. Dramatisch weil es so ist und zunächst, da auch Lösungsvorschläge präsentiert werden konnten: Kinder aus dem Regelbereich könnten zum Teil in Einrichtungen im Stadtgebiet einen Betreuungsplatz erhalten. Diese Familien benötigen aber oftmals gleichzeitig einen Krippenplatz oder haben bereits ein Geschwisterkind in Samern, sodass die Organisation des Familienalltags zu erheblichen Schwierigkeiten führen würde, weil mehrere Einrichtungen angefahren werden müssen. Um für den Bereich Samern/Ohne/Suddendorf weitere Betreuungsplätze zu schaffen, wurde zunächst die Reaktivierung des Spielkreises in Suddendorf als Außenstelle der Kindertagesstätte „Die Pfefferkörner“ in Betracht gezogen. Diese wurde für die Unterbringung von Flüchtlingen jedoch umgebaut und müsste rückgebaut werden. Während eines Gesprächs der Schüttorfer Stadtverwaltung mit den Bürgermeistern der beteiligten Gemeinden und der Trägerin der Kindertagesstätte „Die Pfefferkörner“, die Lebenshilfe Nordhorn gGmbH, wurde laut Elfriede Verst die Möglichkeit der Erweiterung der Kindertagesstätte in Samern favorisiert. Es wurden verschiedene Vorschläge unterbreitet, um dort kurzfristig eine Lösung zu finden, eine weitere Regelgruppe und/oder eine altersübergreifende Gruppe zu schaffen. Eine altersübergreifende Gruppe würde die fehlenden Regelplätze und Betreuungsplätze für „ältere“ unter Dreijährige schaffen. Des Weiteren müssten die Kinder aus dem Einzugsbereich der Pfefferkörner keine Plätze in den Einrichtungen im Stadtgebiet belegen, sodass auch hier altersübergreifende Gruppen eingerichtet werden können, um so unter Dreijährige mit aufzunehmen. Es werden zurzeit die rechtlichen und räumlichen Möglichkeiten für eine Erweiterung der Einrichtung geprüft. Zunächst kann man sich vorstellen den Mitarbeiterinnenraum zum Gruppenraum umzuwandeln und einen “Container” als neuen Mitarbeiterinnenraum anzufügen. Für einen regelrechten Umbau reicht jedoch die Zeit bis nach den Sommerferien nicht aus.

Einwohner Ralf Bütergerds aus Ohne machte in der Einwohnerfragestunde jedoch deutlich, dass diese Entwicklung nicht überraschend kam. Einerseits sei laut Bütergerds die Anzahl der vorhandenen Plätze in den drei Kitas/Spielkreise in Suddendorf, Samern und Ohne von 75 auf zunächst 50 im Neubau in Samern reduziert worden. Mittlerweile wurde dort schon aufgestockt – aber auch das reicht wohl nicht. Hinzu kommt, dass möglicherweise bedingt durch das gute Betreuungsangebot, die Kinderzahl in Samern, Ohne und Suddendorf angestiegen sei. Dass es in diesem Jahr eng werden könnte, war angesichts der Geburtenzahlen schon seit Längerem bekannt und nicht überraschend.  Der Sameraner Bürgermeister Marco Beernink freute sich für die Gemeinde, dass die Eltern so produktiv seien. War aber ebenso wie die Ohner Bürgermeisterin Charlotte Ruschulte guter Hoffnung, dass sich eine Lösung bis zum Sommer finden lässt.
Als weitere Puffer dienten schon in den zurückliegenden Jahren Tagesmütter und das Betreuungsangebot “Zwergenhöhle” des Familien-Service-Büros. Dort kann man sich auch eine Großtagespflege vorstellen. Die Genehmigung einer solchen Einrichtung sei an nicht so hohe Hürden gebunden, wie die einer Kita, hieß es am Montag. Als Räumlichkeiten wurden wiederum der ehemalige Kindergarten in Suddendorf, aber auch Räume in der Erich-Kästner-Schule genannt. Diese Optionen würden derzeit geprüft. Aufgrund der fortschreitenden Inklusion an den Schulen, sind mittlerweile nur noch sehr wenige Kinder in der Erich-Kästner-Schule zu betreuen. Ob dies auch so bleiben wird, bleibt angesichts der sich möglicherweise ändernden schulpolitischen Vorstellungen abzuwarten.
Große Unsicherheiten lösten die Pläne der Landesregierung zur flexiblen Einschulung aus. Die Kitas könnten dadurch nicht mehr verlässlich planen. Ebenfalls Unsicherheiten gibt es bei den möglicherweise zukünftig nicht mehr zu entrichtenden Elternbeiträgen für über dreijährige Kinder. Die Landesregierung plant dies zwar, aber alle bisher vorgeschlagenen Varianten seinen laut Elfriede Verst nicht kostendeckend. Wenn nicht kostendeckend, müssten die Kommunen die Differenz zusätzlich zum bisherigen Defizit finanzieren.  Die Eltern zahlen dann ab dem dritten Lebensjahr nicht mehr, aber auch die Kommunen kämen höhere Kosten zu. Elfriede Verst konnte angesichts dieser vielen Unwägbarkeiten noch keinen abschließenden Plan präsentieren. Zumal es ebenfalls nicht absehbar ist, ob Kinder bei Beitragsfreiheit für die Eltern nicht auch schon früher in den Kindergarten gehen, als dies bislang der Fall ist.

Archivbild Kita “Pfefferkšörner” in Samern

Kinderkrippen-Beiträge
Zunächst war man vor Jahren auf Landesebene davon ausgegangen, dass Krippenplätze in der Größenordnung von 35 Prozent ausreichen würden. Inzwischen werden diese Plätze laut Elfriede Verst aber schon von 60 Prozent der Kinder beansprucht und zukünftig könne man von 90 Prozent ausgehen. Auch in Schüttorf wurden gefühlt in jedem Jahr Krippenplätze gebaut und in jedem Jahr war es dennoch knapp. Der Bedarf steigt sicherlich auch angesichts der hohen Beschäftigungsquote zunehmend. Aber auch, weil Frauen nach einer vergleichsweise kurzen Kinderphase wieder in den Beruf drängen und die Väter den Betreuungspart nicht übernehmen. Ganz abgesehen davon, dass junge Familien auf beide Einkommen angewiesen sind.
Für den Bereich der unter Dreijährigen (Krippe) sind weiterhin Elternbeiträge zu erheben. Beispielhaft für die Krippe Rüskau stellte Verst die Zahlen vor: Die hohen pro Platzkosten im Jahr 2016 (4.281,76 Euro) haben sich im Jahr 2017 auf 3.111,19 Euro reduziert; Grund für die hohen Kosten im Jahre 2016 seien die unverhältnismäßig, aber nachvollziehbaren, hohen Personalkosten. Durch den Vergleich im Vorjahr zwischen den Kosten in den einzelnen Einrichtungen wurde festgestellt, dass die wesentlichen Unterschiede bei den Kosten grundsätzlich aus der strukturell unterschiedlichen Personalentwicklung bei den einzelnen Trägern resultieren. Die Elternbeiträge decken lediglich rund 20 Prozent der Kosten.

Seitens der Verwaltung wurde am Montag vorgeschlagen, die Krippenbeiträge im Kindergartenjahr 2018/2019 in unveränderter Höhe zu erheben.Hinsichtlich der Ermäßigung des Beitrages, wenn mehrere Kinder einer Familie die Kindertagesstätte besuchen, sollte die Ermäßigung nur noch bei gleichzeitigem Besuch von „Krippenkindern“ gelten, da Eltern für die über Dreijährigen keine Beiträge mehr entrichten – wenn das denn bis dahin geregelt ist. Diesem Vorschlag wurde einstimmig zugestimmt.

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