Grüne: Bentheim schrumpft und wird älter

Quelle: Grafik Füser, Daten N-Bank

Ende April wurde dem Verwaltungsausschuss der Stadt Bad Bentheim von der N-Bank das Kommunalprofil 2014 vorgestellt. Darin analysiert die Bank Wohnungsbestand und Bevölkerung und rechnet hoch, wie sich die Burgstadt im Jahre 2035 darstellen könnte. Auf Bitten von Ratsmitgliedern, wurden diese Zahlen anschließend auch der Gesamtheit des Rates zur Verfügung gestellt. Friedhild Füser (Bündnis90/Die Grünen) hatte die Zahlen in einer Power-Point-Präsentation aufbereitet und stellte das Zahlenwerk am Montag in der Ratssitzung ihren Ratskollegen vor.

Quelle: Grafik Füser, Daten N-Bank
Quelle: Grafik Füser, Daten N-Bank

Bad Bentheim. Gab es im Jahre 2000 noch 34 Prozent an bis zu 29jährigen und lediglich 27 Prozent über 60jährige, so soll sich dies laut N-Bank bis zum Jahre 2035 grundlegend ändern: nur noch 24 Prozent bis zu 29jährige und 42 Prozent der Bad Bentheimer Bevölkerung sind dann älter als 60 Jahre. Ein-Personen-Haushalte nehmen rasant zu und Mehr-Personen-Haushalte rapide ab. “Im N-Bank Kommunal-Profil finden sich keine Hinweise, die für eine Ausweisung von weiteren Neubaugebieten sprechen”, zieht Füser als Fazit aus der Analyse der Zahlen. Laut Füser bevorzugen ältere Menschen zunehmend kleinere, komfortablere, seniorengerechte und innenstadtnahe Wohnungen. Daraus folgert die Gildehauserin, dass zukünftig mit Leerständen, Immobilienwertverlusten und der Vereinsamung in Wohnquartieren zu rechnen sei. Dazu zitiert Füser aus dem Baugesetzbuch Paragraph 1 a : “Die Notwendigkeit der Umwandlung landwirtschaftlich oder als Wald genutzter Flächen soll begründet werden; dabei sollen Ermittlungen zu den Möglichkeiten der Innenentwicklung zugrunde gelegt werden, zu denen insbesondere Brachflächen, Gebäudeleerstand, Baulücken und andere Nachverdichtungsmöglichkeiten zählen können”. “Bentheim konterkariert die Forderung des Gesetzes und wir ihm nicht gerecht”, wirft Füser  dem Rat vor.  Als Folgen der derzeit von der Stadt Bad Bentheim verfolgten Planungen für das Baugebiet Suddendorfer Straße und Schulte-Kolthoff, sieht Füser einerseits den Verlust landwirtschaftlich genutzter Naturräume, aber auch hohe Kosten für Planungen, Infrastrukturaufbau und weitere Instandhaltungskosten.  Als Forderung leitete die Grüne daraus ab, keine weiteren Baugebiete auszuweisen, das Programm “Jung kauft Alt” zu attraktivieren, das Flächenkataster fortzuschreiben und konsequent Standortfaktoren wie Kultur, Betreuung, Bildung und Naherholung zu stärken. Man solle auch die unbebauten Flächen in privater Hand mit einbeziehen und nicht nur die der städtischen Gesellschaft GEG.
Bürgermeister Volker Pannen hielt dem entgegen, dass ohne die Eingriffe der Politik mit dem bisherigen Programm “Jung kauft Alt”, dem Ankauf von Schrottimmobilien und dem Angebot an Bauplätzen aus kommunaler Hand, sich die Baulandpreise wesentlich stärker entwickelt hätten. “Wir liegen im Vergleich deutlich unter dem (Preis-) Niveau des Umlandes”, so Pannen. Außer Acht gelassen habe laut Pannen Füser bei ihren Betrachtungen die starken Wanderungsbewegungen, wie die der vielen aus den Niederlanden zugezogenen Bürger und damit die Nachfrage von Außerhalb. Laut Bürgermeister sei ein Wohnraumversorgungskonzept des Landkreises in Arbeit. Zurzeit seien allerdings weniger Immobilien am Markt, sodass man sich über eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft wesentliche Impulse verspreche,  indem Wohnraum für Geringverdiener geschaffen würde. Denkbar sei aber auch ein Aufschlag beim Verkauf von “Neugrundstücken” um damit “Jung kauft Alt” kofinanzieren zu können.
Peter Wiering (FDP) stellte sich hinter die Forderung von Friedhild Füser und brachte das Hiddenhausener Modell ins Gespräch. In Hiddenhausen sei es gelungen ohne neue Baugebietsausweisungen Zuzug und Verjüngung der Altersstruktur zu erreichen. Wiering schlug vor, einen Vertreter der Kommune einzuladen und sich berichten zu lassen, wie man das dort erreicht habe.
Überrascht von der Diskussion zeigte sich Dr. Carin Stader-Deters für die SPD. “Es ist klar, dass der demographische Wandel eine große Aufgabe ist. Alles auf Null setzen? Ist das der Weg?  Wenn das mit Schulte-Kolthoff nicht jetzt gemacht wird, dann wird es auf Jahre nicht funktionieren”, hielt Stader-Deters entgegen und erteilte damit der Forderung von Friedhild Füser eine Absage. Vergleichbar argumentierte Heiner Beernink für die CDU.
Eine Entscheidung war an dieser Stelle nicht zu treffen, da es sich lediglich um eine Mitteilung handelte.
Suddendorfer Straße und Schulte-Kolthoff hängen zusammen, da die Stadt Bad Bentheim nicht über die Mittel zur einfachen Finanzierung verfügt. Die Verkaufserlöse aus den bisher geplanten Baugebieten werden zur Finanzierung neuer, wie dem bei Schulte-Kolthoff benötigt. Via Facebook teilte Bürgermeister Dr. Volker Pannen heute mit, dass die Verträge für den Ankauf des Hofes Schulte-Kolthoff heute unterschrieben worden seien.

Power-Point-Folien: 

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