Heimat goes Internet

Gechichten über die Geschichte des Handwerks in Schüttorf werden seit kurzem auf einer Webseite präsentiert. “Warum die Schüttorfer gerne ins Café geht – nur nicht in Schüttorf”, auch solchen Aussagen wird dort auf den Grund gegangen.

Schüttorf. Ein Klick genügt, und schon kann man jetzt in die Schüttorfer Lokalgeschichte, genauer gesagt in die Geschichten rund um das Handwerk eintauchen. Der Heimatverein Schüttorf präsentiert auf der neuen Internetseite www.schuettorf.bplaced.de Geschichten über die Geschichte des Handwerks in Schüttorf im letzten Jahrhundert. Bekannte Schüttorfer Handwerker erzählen aus ihrem Arbeitsleben. Wie es früher so war, mit der Lehre, mit der Arbeitszeit, mit dem Meister, mit dem Lohn. Geschi9chten über den Alltag, über Erfolge, aber auch über das Scheitern. Sehr persönlich, sehr individuell und sehr unterhaltsam.
Ein Schwerpunkt der Arbeit des Heimatvereins Schütttorf e.V. ist die lokale Geschichte der Stadt Schüttorf. Zu diesem Themenkomplex hat der Heimatverein bereits mehrere Bücher veröffentlich wie beispielsweise jüngst ein Buch über Schüttorf während des 2. Weltkriegs. Jetzt betritt der Heimatverein Neuland. Zum ersten Mal veröffentlicht er ein lokales Geschichtswerk im Internet. Unter www.schuettorf.bplaced.de kann sich jeder Interessierte in die Geschichte des Handwerks in Schüttorf einklicken.
Schüttorf ist die älteste Stadt der Grafschaft Bentheim mit dem höchsten Kirchturm der Umgebung. Sie war einst Mitglied der Hanse und eine Stadt der Millionäre. Jahrzehnte lang prägte die Textilindustrie das Leben der Menschen und die Entwicklung der Stadt. Schüttorf war aber für noch längere Zeit auch eine Stadt der Handwerker, der kleinen Familienbetriebe, der Meister, Gesellen und Lehrlinge. Viele Handwerke, die einst in Schüttorf für Lohn und Arbeit sorgten, gibt es heute nicht mehr. Sie sind bedingt durch den technischen Fortschritt und die Entwicklung der Wirtschaft verschwunden. Andere haben sich den neuen Bedingungen angepasst und sind heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor unserer Stadt.
Soweit die nüchterne Betrachtung des Schüttorfer Handwerks. Aber es gibt auch eine sehr persönliche, menschliche Seite, der bisher leider zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Deshalb hat die Schüttorfer Geschichtswerkstatt schon vor Jahren lange Interviews mit alteingesessenen Handwerkern geführt. Diese Interviews wurden auf Tonband aufgezeichnet und später in mühevolle Arbeit in Schriftform übertragen. Herausgekommen sind hunderte Seiten ganz persönlicher Geschichten über das Leben und Arbeiten von Handwerkern. Über Aufstieg und Fall von kleinen Handwerksbetrieben. Über Mühen und Widrigkeiten. Über Krieg und Wiederaufbau. Über Stolz und Trauer. Über Verlust und lustige Begebenheiten.
„Wie war das früher?“ Das ist die Kernfrage, die jeder Geschichte zugrunde liegt. Wir wissen heute nicht mehr so viel über das Leben und Arbeiten unserer Großväter und Großmütter. Die Geschichten der Handwerker in Schüttorf liefern nicht nur Einblicke in ihren Alltag. Sie machen auch deutlich, das mit dem Verschwinden der kleinen Läden und der kleinen Betriebe, auch die Erinnerung an einen Wirtschaftszweig verblasst, der über Jahre hinweg, einen goldenen Boden versprach.
Die Erzähler sind keine Protagonisten oder Persönlichkeiten der Geschichte. Sie sind ganz normale Bürger unserer Stadt, die in ihrer Zeit gelebt und sie auch mit geprägt haben. Die Geschichten unserer Handwerker sind ganz persönliche Erfahrungen und Erinnerungen. Sie sind deshalb sehr von der individuellen Sichtweisen der Erzähler geprägt und erheben keinen Anspruch auf eine historisch korrekte Wiedergabe von geschichtlichen Ereignissen oder Zusammenhängen. Aber sie sind eine Schatztruhe von wertvollen individuellen Eindrücken, Erlebnissen und Einschätzungen, die uns heute helfen, das Leben unserer Eltern und Großeltern besser zu verstehen. Dabei geht es nicht darum, zu belegen, dass „früher alles besser“ war, sondern zu zeigen, dass noch vor wenigen Jahrzehnten vieles einfach anders war.
Mit dem Entschluss, die Geschichten im Internet zu veröffentlichen,verfolgt der Heimatverein zwei Ziele, wie Gerd-Ludwig Hienz, Vorsitzender des Heimatvereins Schüttorf e.V. betont: „Zum einen wollten wir kurz nach der Veröffentlichung des Buches über Schüttorf im 2. Weltkrieg nicht ein 2. Buch auf den Markt bringen. Zum anderen erscheint uns das Internet als das zeitgemäße Medium, um auch jüngere Menschen anzusprechen und für die Geschichte unserer Stadt zu interessieren. Und das Internet bietet die Möglichkeit der unmittelbaren Reaktion der Leser auf die Geschichten. Denn die Geschichten können hier auch mit eigenen Erfahrungen kommentiert werden.“
Gerd-Ludwig Hienz erwartet eine positive Resonanz. Wenn sich durch die Internet-Geschichten der eine oder andere Schüttorfer Handwerker ermuntert fühlt, seine eigene Geschichte zu erzählen. „Dadurch könnte das Ganze zu einem lebendigen lokalen Geschichtsbuch werden,“ hofft Hienz. Und das wäre doch eine wirklich neue Form der Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte.
Alle veröffentlichten Geschichten auf der Homepage stehen auch als PDF-Dokument zum Download bereit. Für die, die beim Lesen lieber ein Stück Papier in den Händen halten wollen.

 

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