[Kommentar] Absicht oder Schusseligkeit?

Um rund 35 Prozent über der bisherigen Kostenschätzung, sollen laut einer Verwaltungsvorlage für den Jugend-, Sport-, Kultur- und Integrationsausschuss (JSKIA) der Stadt Schüttorf in der kommenden Woche die Kosten für die “Ersatzmaßnahmen” im Sportpark des FC Schüttorf 09 liegen. Fertiggestellt ist der Kunstrasenplatz und weitere Flächen sollen noch ertüchtigt werden. Allein gut 9 Prozent dieser Steigerung entfallen auf das bislang nicht einbezogene und laut Verwaltung “vergessene” Planungshonorar für Prof. Schmidt in Höhe von 98.000 Euro. Die Gesamtsumme für das Vorhaben steigt nun von 1.060.000 Euro auf 1.431.400 Euro. Möglicherweise vorläufig.
Eines ist klar: Am kommenden Montag wird es im JSKIA nicht ruhig sein, die Wogen werden hoch schlagen  und am Ende wird alles bezahlt. Wohl oder Übel und zähneknirschend. Ob es allerdings eine wirkliche Klärung der Hintergründe geben wird ist zweifelhaft. Es stellt sich die Frage, ob das Vergessen des Planungshonorares allein Schusseligkeit der Verwaltung war – Bauamtsleiter Dieter Salewski hat bereits die Verantwortung übernommen – oder, ob nicht doch eine “Salamitaktik” dahinter steckt? Sicher ist hingegen, dass die Verwaltung sich durch diesen Vorgang beschädigt hat. Auch wenn Dieter Salewski die Verantwortung übernimmt, ist Stadtdirektor und Samtgemeindebürgermeister Manfred Windhaus damit nicht aus der Schusslinie. In letzter Konsequenz hat Windhaus die Verantwortung zu tragen und auch er hätte den Fehler bemerken müssen. Schließlich ist es doch ein Prestigeprojekt, das von ihm intensiv und positiv begleitet wurde. Ganz abgesehen von seinem guten Draht zum FC-Vorsitzenden Hannes Kerkhoff, der sich im Wahlkampf als Moderator einer Wahlkampfveranstaltung sehr für Windhaus eingesetzt hatte.
Vielleicht ist es aber auch eine Verquickung von Schusseligkeit und Absicht. Von Anfang an stand das Projekt in der Kritik und es wäre durchaus denkbar, dass sich die Planer intensiv um eine Reduzierung der Kosten bemüht haben. Letztendlich wurde der Kunstrasenplatz laut Angaben der Verwaltung auch nicht so teuer, wie es die Kostenschätzung vorgab. In solch einer Gemengelage möglicherweise mit einigen Kosten “hinter dem Berg zu halten” wäre nachvollziehbar und die “Salamitaktik” gleichermaßen. Neben dem “vergessenen” Honorar sind da aber noch weitere Posten, die möglicherweise aus “Schusseligkeit” untergegangen sein könnten. Das Wasser ist braun und eisenhaltig und könnte in der Beregnung auch dem Kunstrasenplatz schaden. Das wusste man vorher und zusätzliche “Probebohrungen” waren überflüssig. Ebenfalls vorhersehbar war, dass die Kapazitäten der Stromleitungen für die Flutlichtanlage nicht ausreichen könnten.
Allein Bauamtsleiter Dieter Salewski, oder Manfred Windhaus verantwortlich zu machen ist nicht richtig – das haben sie schon zusammen “verbockt”. Als “lachender Dritter” zwischen Politik und Verwaltung zeigt sich der FC Schüttorf 09. Geschickt hält sich der Verein öffentlich zurück und kriegt doch das was er möchte – oder gerade deswegen. Wie der FC allerdings seinen Trainingsbetrieb im vergangenen Jahr hat aufrecht erhalten können ist hingegen ein Rätsel: Alle Flächen außerhalb des Sportparks waren für Training und Spiele laut Verein nicht geeignet, die ehemaligen Trainingsflächen auf dem Gelände des neuen Baugebietes Salzberger Straße konnten, wie auch die im Sportpark nicht genutzt werden. Sollten die Angaben zur Bespielbarkeit – beispielsweise des Platzes an der Hermann-ten-Wolde-Straße – so nicht ganz korrekt gewesen sein…? Unter dem Strich bleibt ein schaler Beigeschmack, mit Noten von Trickserei, Unehrlichkeit und Schusseligkeit im Abgang.

2 Comments

  • Das ganze hat den Charme eines gut funktionierenen Klüngels. Oder sollte man hier gar von funktionierener Lobbyarbeit reden?
    Den Schaden trägt letztlich der gemeine Bürger durch seine Steuerzahlung. Es ist kaum vorstellbar das der FC09 die Mehrkosten übernehmen wird.

  • Friedhelm, natürlich ist es der Klüngel, der das Projekt befeuert hat. Von Anfang an. Und das jetzt ist die Krönung. Und bestimmt findet die Verwaltung und/oder der FC nach den jetzigem Plus in der Kalkulation später noch wieder etwas, was noch zur Luxussanierung des Sportparks fehlt. Und ach ja, der FC steuert nochmals 16.000 EUR dazu? Hui, da kann direkt mal nur eine Heckenreihe mit erledigt werden. Diese Kosten jetzt, genau diese soll der FC übernehmen. Geht nicht? Armer Verein? Wie haben das andere Vereine geschafft, die sich einen Kunstrasen gebaut haben? Wir Bürger haben schon genug für die Sanierung bezahlt, die von Anfang an keine Kompensation war. Aber es wird am 05.03. wie immer ablaufen. Wenn Filz und Klüngel in Schüttorf regieren….

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