[Kommentar] Die Grafschaft hat drei Abgeordnete

Ganz abgesehen von den, nennen wir es mal “Verwerfungen” bei der gestrigen Wahl zum Bundestag, ist es für die Grafschaft nicht zu schlecht ausgegangen. Die Rechtsausleger von der AfD haben nur knapp über 5 Prozent der Zweitstimmen bekommen und deren Kandidat sogar noch weniger. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,17 Prozent und konnte damit erneut gesteigert werden. UND: Drei Abgeordnete werden sich nun hoffentlich auch für die Grafschaft ins Zeug legen: Albert Stegemann (CDU), Dr. Daniela De Ridder (SPD) und Jens Beek (FDP).

Grafschaft Bentheim. Beim Thema AfD neutral zu bleiben, ist für die kommenden Jahre ein spannende Aufgabe. Zumal es am 15. Oktober noch eine Landtagswahl zu bestehen gilt, bevor in vier Jahren, zusammen mit der Kommunalwahl, die nächste Bundestagswahl ins Haus steht. Die gestrigen Runden im Fernsehen zeigten deutlich, dass sich die Parteien durchaus zur AfD abgrenzen und sich nicht einschüchtern ließen. Warum auch, poltern die AfDler provokant populistisch herum und geben die Biedermänner. Das kann spannend und lebhaft werden. Eine Niederlage für die Demokratie sei der Einzug der AfD in den Bundestag gewesen, wird hier und da behauptet. Ist das so? Eigentlich nicht. Ist es doch eine Herausforderung für die Demokratie auch mit solchen abweichenden Strömungen umzugehen. Das muss sie nun auch leisten. In der Grafschaft dürfte das machbar sein. Eine Wahlbeteiligung über dem Bundesdurchschnitt und nur gut 5 Prozent für diese Partei, zeigen deutlich: Man interessiert sich für Politik, es wird wieder mehr darüber gesprochen und auch gestritten. Politik ist wieder interessant, auch, oder gerade weil die Positionen sehr unterschiedlich sind. In der Grafschaft hat man möglicherweise auch weniger Probleme mit der Zuwanderung, da dies schon seit langem als durchaus normal begriffen wird.  Gut, CDU und SPD sind die Platzhirsche, auch wenn sie haben Federn lassen müssen. (Wie können eigentlich Hirsche Federn verlieren?). Die kleineren Parteien haben hinzugewonnen – auf den ersten Blick. Doch hat sich mit dieser Wahl in der Grafschaft ein Ergebnis eingestellt, dass dem von 2009 nicht zu unähnlich ist. Die Gewinne der beiden Großen in 2013 sind wieder weg und nur die AfD ist ins Spektrum aufgerückt. Schwächelte vor vier Jahren die FDP, hat sie sich nun wieder etwas erholt. Alles im Bundestrend.
War in der Vergangenheit das Erstarken rechter Parteien immer ein Zeichen für wirtschaftliche Schieflagen, so kann das diesmal und insbesondere in der Grafschaft nicht der Fall sein. Eine Arbeitslosenquote nah an der Vollbeschäftigung spricht für sich. Und dennoch gärt es. Sei es aufgrund der immer weiter auseinander klaffenden Schere zwischen “Arm und Reich” und der vernachlässigte Mittelstand war auch schon zufriedener. Auch hier ist ein Unbehagen vor Überfremdung spürbar, auch wenn sich das nicht in den Zahlen für die AfD niedergeschlagen hat. Hinzu kommt die latente Bedrohung durch terroristische Aktivitäten. Deshalb wäre die Politik – auch vor Ort – gut beraten sich der Probleme anzunehmen und sich nicht zurückzulehnen, da die Welt in der Grafschaft noch in Ordnung zu sein scheint. Die Integration der Flüchtlinge und deren Familien wird in der Grafschaft eine ganz wesentliche Aufgabe sein. Das die Grafschaft das kann, hat sie in den vergangenen 70 Jahren bewiesen. Seien es die Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, Türken, Italiener, Spanier, Portugiesen, Spätaussiedler aus Polen oder der ehemaligen Sowjetunion, das hat funktioniert.

Ergebnisse der Bundestagswahl 2017 in 
Stadt Schüttorf
Engden
Isterberg
Ohne
Quendorf
Samern 
Samtgemeinde Schüttorf gesamt
Bad Bentheim 

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