[Kommentar] Geschmeidig und gesprächsbereit bleiben

Naturschutzgebiet Ballenlager Foto: ©Albrecht Dennemann

Als Frieder Heckmann am Sonnabend zu Beginn der Kulturpunkt-Veranstaltung mit Barbara Ruscher im Komplex verkündete “Man spricht wieder miteinander”, mochte sich Erleichterung einstellen. Hatte es doch unlängst einen wenig versöhnlich anmutenden Schlagabtausch zwischen Bürgerinitiative (BI) und Politik bezüglich der Planungen für das Soziokulturellen Zentrum gegeben. Die Sache ist für die zukünftige nachhaltige Entwicklung Schüttorfs zu wichtig, als dass man sich einen Stillstand, oder gar eine Blockade leisten könnte.
Unternehmen, IHK, Fachverbände und Experten fordern es schon seit Jahren: Kultur als Triebfeder einer nachhaltigen Entwicklung von Kommunen – auch von Kleinstädten wie es Schüttorf nun einmal ist. Sicher, Kitas, Schulen und andere Freizeiteinrichtungen tragen auch dazu bei – doch das kann jede andere Kommune auch. Nun gilt es doch, sich im Konzert des Wettbewerbs der Kommunen durch stärkere Impulse und Akzente abzusetzen. Freiwillige Leistung ist Sport für eine Kommune auch und nicht allein das kulturelle Angebot. Kultur kann mit Fug und Recht auch als Teil der Daseinsvorsorge begriffen werden und wäre damit schon keine freiwillige, sondern eine notwendige Leistung. Für den Sport stellt die Stadt Schüttorf jährlich rund 500.000 Euro freiwillig bereit und bindet langfristig weitere finanzielle Mittel für Sporthallen und Sportplätze. Und das ist gut so. Soweit vorab.
Unverständlich ist allerdings, weshalb sich Politik und Verwaltung bislang nicht zur Erstellung eines Konzeptes für das Soziokulturelle Zentrum durchringen konnten. Es gibt bislang kein offizielles Konzept für das Zentrum, geschweige denn für die kulturelle Entwicklung der Stadt insgesamt. Dies auf die lange Bank zu schieben und abzuwarten – bis möglicherweise Fördergelder bereit stehen – ist nicht sinnvoll. Würde man die Zeit nun nutzen, könnte nach Bewilligung mit dem Bau bereits begonnen werden. So wird man mit der Bereitstellung erst in die Planungen einsteigen und es droht ein “Über-das-Knie-Brechen”.  Es sind 2,7 Millionen Euro plus 300.000 Euro für die Einrichtung bereits politisch vereinbart und festgeschrieben. Mit dem Standort am ehemaligen Ballenlager weiß man auch wo gebaut werden soll. Allerdings wurde auch beschlossen, einen zweiten Bauabschnitt nicht einzuplanen. Und da wird es seltsam. Jedes Unternehmen lässt sich bei einem Neubau ein Hintertürchen für eine mögliche Erweiterung offen. Nicht so die öffentliche Hand in Schüttorf – zumindest offiziell. Es wird – wider besseren Wissens – behauptet, dass das Theater am bisherigen Standort bleiben möchte. Der VKV als Verantwortlicher Verein hat immer kommuniziert, dass wenn eine entsprechende Theater-Atmosphäre geschaffen würde, ein Umzug an den Standort Ballenlager durchaus eine Option ist. Allerdings sagen sie auch, dass mit wenig Geld die Bedingungen an der Hermann-Schlikker-Straße zu verbessern und diese Investitionen notwendig seien. Und dies könnte aber auch das Aus für den bisherigen Standort bedeuten und einen Neubau notwendig machen. Wieviel es nun kosten würde ist überhaupt noch nicht kalkuliert. Erst danach könnte eine fundierte Aussage getroffen werden. Doch Politik, Verwaltung und VKV scheinen sich einig. Ein von VKV gewünschter Eingriff die Gebäudehülle des Theaters zur Erweiterung des Foyers könnte die gesamte Betriebserlaubnis des Theaters gefährden. Und dann müsste das ganze Objekt überplant und neu genehmigt werden. Das sind Kosten die kalkuliert gehören und zwar noch bevor man einen Neubau des Theaters am Ballenlager komplett mit dünnen Begründungen ablehnt. Und zwar zeitnah – am Besten sofort, damit man eine vernünftige Planungsgrundlage hat.  So wie bislang, verfängt sich der Eindruck, dass man das einfach aus nicht genannten Motiven heraus nicht möchte. Mit vorausschauender Planung und einem Konzept hat das nichts zu tun.
Sicher, die BI hat sich möglicherweise undiplomatisch verhalten und “nervt” Politik und Verwaltung. Dies rechtfertigt allerdings nicht die harschen Abqualifizierungen. Verwaltung, CDU/SL und auch SPD/FDP haben sich da nicht mit Ruhm bekleckert. Die Fraktion Grüne/Linke hat sich da geschickter verhalten. Nun scheint es inzwischen so zu sein, dass man wieder miteinander redet und dennoch bleibt der Aufruf “geschmeidig und gesprächsbereit zu bleiben” wichtiger denn je. Denn es schadet Schüttorf, wenn man sich an dieser Stelle gegenseitig blockiert und eine Entwicklung verhindert.  War dereinst die Eisenbahnanbindung für die Entwicklung von Schüttorf von nachhaltiger Bedeutung, so ist dies zukünftig nicht allein der Ausbau der digitalen Infrastruktur, sondern die Schaffung von Wohn- und Lebensqualität. Schließlich gilt es bei schwindender Bevölkerung Anreize zu schaffen am Ort wohnen zu bleiben, zurückzukehren, oder aber überhaupt nach Schüttorf zu ziehen. Kita, Schulen, Arbeitsplätze, Einkauf und Sport, das können andere Kommunen auch.

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