[KOMMENTAR] Keine Wahl zwischen Pest und Cholera

Foto: Elisabeth vor der Straße

So schön, interessant, inspirierend und ein Gewinn für Bad Bentheim das angedachte “Bentheim Boutique Festival” auch sein mag/möchte: Es sollte nicht stattfinden. Spaßbremse? Keineswegs! Spaß kann nur dann Spaß sein, wenn andere in ihrem Spaß/Vergnügen nicht eingeschränkt werden. Und das würde das Festival verursachen: Einschränkung. Ganz abgesehen von einer Schädigung der Natur.
Der Veranstalter sieht das Gelände der ehemaligen Steinbrüche östlich von Freilichtbühne und Franzosenschlucht (östlich meint in Richtung Schüttorf) wohl als Dreh- und Angelpunkt seines Vorhabens an. Übrigens: In Schlüters Kuhle soll es NICHT stattfinden, wie es in anderen Medien schon suggeriert wurde. Um es ganz deutlich zu sagen: Wenn 2.500 bis 5.000 Menschen durch die Steinbrüche “schlendern”, ist kaum vorstellbar, das dies keine Spuren hinterlässt – ganz abgesehen von den notwenigen Installationen für Sicherheit, Technik, Bühnen, Ver- und Entsorgung. Laut Bürgermeister Pannen stellt die Stadt nur den Ordnungsrahmen bereit und zieht sich damit auf eine formaljuristische Position zurück. Schwach! Somit lässt sich das Festival scheinbar nur verhindern, wenn der Naturraum der ehemaligen Steinbrüche geschützt wird. Die Bentheimer Grünen hatten einen Antrag eingebracht, dass die Möglichkeit geprüft werden solle, diese ehemaligen Steinbrüche unter Naturschutz zu stellen. Dies hätte aber zur Folge, dass auch Bentheimer Bürger*innen und Gäste zukünftig das Areal nur noch sehr eingeschränkt nutzen könnten – und dies das ganze Jahr über: Wenn nicht genutzt für ein Festival, dann auch nicht für die Einwohner. Das wäre fatal. Warum kann der Rat nicht mit der Begründung sich dagegen entscheiden, dass man das Festival unter den gegebenen Bedingungen in der Burgstadt für nicht  durchfürbar erachtet und deshalb eine Zusage verweigert? Möglicherweise sollte auch versucht werden, den Veranstalter davon zu überzeugen, dass das doch keine so gute Idee ist und dass es weitere schöne, schon genutzte Locations in Bentheim gibt… Es wäre nur eine Wahl zwischen Pest und Cholera, wenn es um schützen oder genehmigen ginge. Was würde Bentheim verlieren, wenn es nicht stattfindet? Vielleicht einen Gewinn an Bekanntheit. Einen Grad an Bekanntheit dafür, dass man dem schnöden Mammon bereitwillig idyllische Naturräume opfert und damit auch die Lebensqualität der eigenen Bürger*innen einschränkt.
Bad Bentheim zeichnet sich nicht durch Massen-, sondern überwiegend durch sanften Individualtourismus aus. Warum meint der Mensch denn, jeglichen Naturraum für sich erschließen zu müssen? Wenn es denn eine Frage des Überlebens wäre,  könnte das nachvollziehbar sein. Doch darum geht es an dieser Stelle ganz gewiss nicht.
Das große Interesse an den diesbezüglichen Beratungen in der vergangenen und in dieser Woche zeigt deutlich, wie kritisch dies Vorhaben betrachtet wird. Dem sollte der Rat Rechnung tragen. Es ist keine Wahl zwischen Pest und Cholera! Und auch nicht alternativlos!

2 Comments

  • Eine gelungene Darstellung. Was ich bislang über dieses Projekt erfahren habe, läßt meine Augenbrauen ganz nach oben wandern. Neben den ganz wichtigen Naturschutzbedenken scheint mir die Preisvorstellung der Eintrittskarten utopisch und die logistischen Vorbedingungen sind in meinen Vorstellungen so intensiv, dass es nicht kostendeckend sein kein. Bekanntheit um jeden Preis. Nein Danke, lieber nicht.
    Meiner Meinung nach gäbe es sicher bedeutend einfallsreichere Wege unsere schöne Stadt zu präsentieren, die weniger gewagt und besser gekonnt sind.
    Für den Rat sollte es ein Leichtes sein, schlicht und einfach zu sagen: “Danke, das möchten wir nicht.”
    Und falls man sich doch lieber den Rücken frei halten möchte, wäre eine “Bürgerentscheidung” wohl sehr sinnvoll.
    Möge wir bitte von diesem Projekt verschont bleiben.

  • Volltreffer, Albrecht. Es gilt heute anscheinend nur noch “höher, weiter, schneller, größer, anders”. Jede(r) will noch ein wenig draufsetzen, Hauptsache, man hat etwas geschaffen, was letztendlich nur eine Minderheit anzieht. Egal, ob es einer Mehrheit, die betroffen ist und die einem viel näher steht, gefällt oder nicht. “Hauruck – Kultourismus” ohne Rücksicht, Weitsicht und Einsicht.

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