Kultur ist ein weites Feld

3. Bad Bentheimer Kulturnacht Fotoclub "Licht und Schatten" Foto: © Albrecht Dennemann

Malerei, Zeichnungen, Bildhauerei, Literatur, Handwerkskunst, Fotografie, Geschichte und Musik in Bad Bentheim präsentierte die 3. Bad Bentheimer Kulturnacht am Sonnabend. Und dennoch ist da in der Burgstadt noch viel mehr!

Sandsteinmuseum: vlnr: Elisabeth vor der Straße, Dr. Angelika Rieckeheer, Dr. Thomas Füser Foto: © Albrecht Dennemann

Bad Bentheim. Beim Auftakt zur Kulturnacht am Sonnabend gegen 17 Uhr im Sandsteinmuseum machten die Verantwortlichen, Dr. Angelika Rieckeheer, Dr. Thomas Füser und Stefan Drolshagen dies nur begingt deutlich. Das erste Wort gehörte jedoch Elisabeth vor der Straße als Vorsitzender des Sandsteinmuseums. Das Museum am Schlosspark widmet sich nicht nur der Geschichte des Abbaus und der Verarbeitung des Bentheimer Goldes, sondern zeigt in wechselnden Ausstellungen auch immer aktuelle Arbeiten aus Sandstein. Und so fast nebenbei unterhält der Verein mit dem ehemaligen Steinbruch “Schlüters Kuhle” auch noch eine “Künstlerwerkstatt”. Hobby-Steinhauer und auch Gäste der nahegelegenen Jugendherberge nutzen regelmäßig “Schlüters Kuhle” für erste Übungen und fortgeschrittenere bildhauerische Projekte. Dr. Angelika Rieckeheer freute sich, dass als die Bürgerstiftung die Kulturnacht im November ankündigte, die meisten Gruppen, Vereine und Initiativen bereits fertige Projekte vorstellten. Nun ja, bei etwas mehr Vorlauf und Terminverschiebungsmöglichkeiten, wäre auch noch mehr drin gewesen. So fand am Sonnabend zwar auch eine Aufführung der “Bentheimer Kulisse” statt, doch nicht im Rahmen der Kulturnacht. Auch Freilichtbühne, Chöre, Musikgruppen, “Young Boulevard”, das Forum, der Treff10 als Solcher und auch private Kulturveranstalter wie Hennekens Hof und Sommerakademie-Anbieter Heinz Bornemann waren nicht mit dabei. Obschon Bentheim viel mehr Kultur zu bieten hat, als am Sonnabend präsentiert, ist das Gezeigte schon allein beeindruckend.

3. Bad Bentheimer Kulturnacht hier: Rundgang mit Kindern um die Burg mit Burgi e.V. Foto: © Albrecht Dennemann

Nach dem Auftakt setzte das “Bentheim Jazztett” ein, aber auch die wanderungsbewegungen zu den anderen Stationen in Gildehaus und Bad Bentheim. Und das gestaltete sich etwas schwierig, da es zeitlich nicht so abzustimmen war, dass es einen passenden Rundgang ergeben hätte. Immer wieder war gerade eine Aktion beendet, oder gerade angefangen.  Zügig im Anschluss an die Eröffnung startete im Museum am Herrenberg Kurator Helmut Schönrock seinenVortrag zum Museum im Allgemeinen, den niederländischen Meistern und vor allem zur jüngsten Erwerbung, einem Ruisdael mit der Bentheimer Burg als Motiv. An der Burg startete der Burgi e.V.-Aktionen rund um die Burg seine Tour mit Kindern und Taschenlampen – wie konnte es anders sein: Rund um die Burg. Dies war dann auch das einzige Angebot, das sich speziell an Kinder richtete. Noch ein paar mal zogen im Laufe des Abends Daniela Völlmecke, Maja Weber und Swenna Kleve mit Kindern im Schein der Taschenlampen um die Burg.

3. Bad Bentheimer Kulturnacht Fotoclub “Licht und Schatten” Foto: © Albrecht Dennemann

Licht war dann auch in Gildehaus am Mühlenberg das dominierende Thema. Nicht Bilder stellten der Fotoclub “Licht und Schatten” aus, sondern hatte Gäste zu einer Fotoaktion mit längeren Belichtungszeiten eingeladen. Also Foto-Kunst zum Selbermachen. Beleuchtet und musikalisch umrahmt war dann auch der Weg in Richtung Lukas-Mühle, dem Hartmann-Museum am anderen Ende des Bürgerparks. Natürlich konnte die Ausstellung besichtigt werden, aber als besonderes Highlight gab es eine Lesung mit Bürgermeister Dr. Volker Pannen in der obersten Etage der ehemaligen Mühle. Heinrich Böll hatte sich Vorleser Pannen ausgesucht und ließ sich dabei in den Pausen von Paul Driessen an der Gitarre begleiten. Nicht jedes Stück wurde ausgespielt, sondern setze dort ein, wo zuvor abgebrochen worden war. Klein und eng ist es dort oben und genau dies machte die besondere Atmosphäre aus. Geschichte(n) und Erläuterungen hatten die Bäcker und Müller im Backhaus und in der Ostmühle parat. Seit Jahren pflegt die Initiative beide Objekte und erfüllen sie mit Leben. Zunächst mochte der Wind das Gebälk nicht mit Leben erfüllen, doch später wehte dieser und die Flügel drehten sich.
Kunst gab es erwartungsgemäß im Otto-Pankock-Museum. Doch nicht nur: Der Bentheimer Poetry-Slamer Florian Wintels forderte die Besucher mit seinen schnellen Texten. Auf Tournee durch die Bentheimer Kultureinrichtungen hatte sich der musizierende Poet an diesem Abend begeben. In der Burg, im Bentheimer Atelier an der Wilhelmstraße und im Atelier von Gerda Fidder an der Ochtruper Straße war er auch noch zu erleben.

3. Bad Bentheimer Kulturnacht AUftritt von Florian Wintels im Otto Pankock Museum in Gildehaus Foto: © Albrecht Dennemann

Schon allen durch die vielen dort ausstellenden Künstler war das Haus Westerhoff an diesem Abend fast durchgängig besucht. Im Zentrum stand natürlich Steffi Mann mit ihren Mitmachprojekten. Diese und weitere Angebote zur eigenen Kreativität sollen in diesem Jahr noch ausgebaut werden. Ziel sei es, das Haus Westerhoff mit aktiver eigener künstlerischer Betätigung mit mehr Leben zu füllen.
Auch das Bentheimer Atelier an der Wilhelmstraße wird von mehreren Künstlern getragen. Sie stellen dort selbst aus, laden aber auch immer wieder andere Künstler ein. Leni Winkelmann empfing die Gäste  – wenn nicht gerade Florian Wintels da war – und zeigte ihre Werke, stellte aber auch Konzept und Inhalt des Ateliers vor. Ganz privat ist es dann bei Gerda Fidder in ihrem Atelier an der Ochtruper Straße. Auch sie stellt andere Künstler aus, arbeitet aber auch selbst dort. Neben Wintels hatte sie den elektronischen Musikkünstler Folker Buis eingeladen. Neben Keybord und Synthesizern erweckte eine Theremin aufsehen. Das ursprünglich Aetherophon genannte Gerät, oder auch Instrument ist ein 1920 erfundenes elektronisches Musikinstrument. Es ist das einzige verbreitete Musikinstrument, das berührungslos gespielt wird und dabei direkt Töne erzeugt. Sein Name geht auf den Erfinder, den Russen Lew Termen, zurück, der sich in den USA Leon Theremin nannte. Im Herbst waren die “Queenz of Piano” im Rahmen des Kulturpunkt ebenfalls mit einer Theremin im Gepäck im Schüttorfer Komplex zu sehen. Chullige, handgemachte sphärische Klänge entlockte Buis seinem wahren Sammelsurium an Geräten, Instrumenten und Kabeln.
Chillig, wenn auch nicht muckelig warm war es aber auch im Waldeck-Zimmer auf der Burg. Eigentlich sollte Musik-Akademie-Leiter Bodo Wolff dort mit Band auftreten, doch ihn hatte die Grippe ans Haus gefesselt. Mit Sängerin Merel van Eldik Gesangslehrerin an der Musik Akademie,  Matthias Fleige an Gitarre und Posaune und Colin van de Weteringh an der Rhythmus-Section hatte Wolff jedoch kurzfristig noch hervorragenden Ersatz gefunden.
Insgesamt eine gelungene Veranstaltung. Mit längerer Vorbereitung und mehr Teilnehmern könnte es im nächsten Durchgang ein Knaller werden. Nicht zu unterschätzen ist jedoch das Engagement der beteiligten Vereine und Gruppen. Die Bürgerstiftung hat die segensreicheAufgabe übernommen, all diese Gruppierungen zusammen zu fassen und an einem Termin zu präsentieren. Das interessante daran ist aber auch, dass es nicht allein um die Präsentation ging, sondern auch um das eigenhändige gestalten – wenn auch nicht sofort, wie bei den Fotografen. Die Kulturnacht ist eine wunderbare Einladung an alle Bürgerinnen und Bürger ihre Stadt einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Allerdings muss auch festgestellt werden, dass doch weitgehend die “üblichen Verdächtigen” unterwegs waren. Wie auch Menschen angesprochen werden können, die möglicherweise eine geringe Affinität zu kulturellen Angeboten haben, dass könnte eine Frage für die Zukunft sein.

[GALERIE]

 

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