Kulturzentrum Schüttorf: Verwundertes Augenreiben

Sateliten-Bild: © Apple Karten; Modell: © Klaus Heiny (BI); Foto und Montage: © Albrecht Dennemann

Nahezu verwundert konnte man sich am Mittwochabend bei der Sitzung des Jugend-, Sport-, Kultur- und Integrationsausschusses (JSKI) der Stadt Schüttorf die Augen reiben – standen doch zuletzt die Zeichen eher auf Konfrontation zwischen der Schüttorfer Stadtverwaltung, Teilen der Politik und der Bürger-Initiative Bürger- und Kulturzentrum Schüttorf (BI). Nahezu einhelliges Lob ernteten die BI-Vertreter Klaus Heiny und Danie Schulte-Wieking für ihre Präsentation der Machbarkeitsstudie für das zu bauende Soziokulturelle Zentrum an der Fabrikstraße.

Schüttorf. Nicht im Ratssaal, auch nicht in der Mensa der Oberschule, sondern im Raum Föhntor unter dem Dach der Alten Kirchschule wurde getagt und dies nicht ohne Grund, der sich auch in der Diskussion um Barrierefreiheit wiederfand. Denn auch diese soll und muss sich in dem Zentrum umsetzen lassen. Die kritische Nachfrage, wie es denn aktuell um diese Barrierefreiheit – beispielsweise im Theater der Obergrafschaft (TdOG) – bestellt sei, konnte von Stadtdirektor Manfred Windhaus nur vertröstend und ausweichend beantwortet werden: Im Rathaus fehlt ein Aufzug und im TdOG können nur zwei Rollstuhlfahrer, nur in der letzten Reihe Platz finden. Laut Windhaus würde aber der Samtgemeinderat in seiner nächsten Sitzung die Gründung eines Behindertenbeirates beschließen und dieser würde sich der Problematik annehmen.

Doch zur eigentlichen Sache:

Modell: © Klaus Heiny Foto: © Albrecht Dennemann

Der Planungsauftrag für die Architekturbüros “Middelberg und Venhaus” in Zusammenarbeit mit “Wenning, Schröder” vor drei Jahren lautete eine Analyse und eine Machbarkeitsstudie für das Soziokulturelle Zentrum anzuarbeiten. Auftragsgemäß taten sie dies. Was nicht im Auftrag inbegriffen war, war die Nutzung des denkmalgeschützten ehemaligen Betriebsratsgebäudes an der Fabrikstraße und die Verwendung des ehemaligen Baumwoll-/Ballenlagers. Der von der Politik gesteckte Rahmen – 2,7 Millionen Euro Bausumme, knapp 1000 Quadratmeter Nutzfläche und vor allem der Standort Fabrikstraße galt es einzuhalten. Zudem auch noch, dass ein zweiter Bauabschnitt nicht einmal optional vorzusehen sei. Die BI und hier vor allem Architekt Klaus Heiny gingen das etwas anders an: Der Rahmen von Bausumme, Quadratmetern und Standort wurde eingehalten, aber sonst wich der Plan durchaus erheblich von dem der anderen Architekten ab. Das ehemalige Betriebsratsgebäude soll zukünftig den offenen Jugendbereich des Zentrums auf 200 Quadratmetern mit Cafébereich, Küche, Gruppenräumen und Sanitäranlage beinhalten. In einem ersten Bauabschnitt würde dann ein Neubau damit verbunden werden. Dieser Neubau von rund 800 Quadratmetern Nutzfläche soll einen Mehrzweckraum von 200 Quadratmetern für Konzerte, Kleinkunst, Kabarett, Kino und Feste  beheimaten. Hinzu kommen Gruppen-, Lager- und Bandräume, Gastronomie, Sanitäranlagen und Büros. Mit diesem Plan würde das ehemalige Betriebsratsgebäude einer Nutzung zugeführt, die es bei den bisherigen Plänen nicht gab, oder noch hätte gesucht werden müssen. Abweichend von dem bisherigen Plan werden die Parkplätze von der Ostseite des Geländes auf die Westseite verlegt und somit in die Nähe des Eingangsbereiches.

1. und 2. Bauabschnitt leicht auseinander gerückt Modell: © Klaus Heiny Foto: © Albrecht Dennemann

Wichtig war der BI immer einen zumindest optionalen zweiten Bauabschnitt möglich zu machen. Dazu würden sie das Ballenlager abreißen wollen, da es aus ihrer Sicht abgängig sei und auch nicht wirklich erhaltenswert. Zudem würde der Abriss die Sichtachse auf das denkmalgeschützte  ehemalige Kontorgebäude der Textilfirma “Schlikker und Söhne” freigeben. Der Eigentümer dieses Gebäude habe laut BI zugesagt es sanieren zu wollen. Dieser städtebauliche Aspekt tauchte in den bisherigen Planungen nicht auf. “Wenn man über den Bahnübergang fährt, guckt man dann nicht mehr auf eine 50 Meter breite und acht Meter hohe Klinkerwand, sondern auf das Kantorgebäude und das rechts davor liegende Bürger- und Kulturzentrum”, erläuterte Architekt Klaus Heiny.  Der Abriss würde Platz schaffen für den zweiten Bauabschnitt für einen größeren Mehrzweckraum/saal und die notwendigen Nebenräume. Untergebracht werden könnte dort auch das TdOG und genutzt werden könnte der Saal zudem für Konzerte, Feiern, Ausstellungen und Messen. “Damit werden auch die Sporthallen entlastet, die unserer Ansicht nach dem Sport vorbehalten sein sollten”, so Danie Schulte-Wieking. Laut Schulte-Wieking sei mit dem Wegfall des Lenzings´schen (Steggewenz´schen) Saales kein Feierraum in Schüttorf mehr vorhanden.
In der Aussprache bedankte sich Stadtdirektor Windhaus für den Entwurf und die Präsentation bei der BI – sieht sich aber damit auch in den bisherigen Aktivitäten bestätigt und eine Annäherung der Positionen. Für die Sanierung des Betriebsratsgebäudes veranschlagt Windhaus rund 600.000 Euro – die unabhängig vom Soziokulturellen Zentrum hätten investiert werden müssen. Zusammen mit der normalen Steigerung, kommt der Stadtdirektor  in seiner groben Kalkulation ausgehend vom vereinbarten Betrag von 2,7 Millionen Euro auf eine Gesamtsumme von oberhalb von 3,6 Millionen Euro für das Gesamtkonzept – im ersten Bauabschnitt. Bei einer Förderquote von 60 Prozent bis 100 Prozent aus den Städtebaufördermitteln ließe sich das wohl finanzieren. Doch die Baukosten waren eigentlich nie der Streitpunkt, sondern die Sorge dass die laufenden Folgekosten den Stadtsäckel zu sehr belasten. Nicht gemeint sein können damit die Abschreibungen, da diese sich für das Projekt aufgrund der längeren Laufzeit, auf gleicher Höhe wie beispielsweise für den Ausbau des Sportparks belaufen dürften. Ob das Ballenlager denn nun abgerissen werden würde ließ Windhaus offen – verwies er doch auf das Faible von Dr. Burgdorf vom Land Niedersachsen für alte Bausubstanz. “Andere Nutzungen” für diesen Bau seien aber laut Windhaus vorstellbar. Zudem habe die Verwaltung angedacht die verkehrliche Anbindung für den Bereich des Sanierungsgebietes zu ändern und dann müsse das Konzept/die Pläne für das Kulturzentrum angepasst werden. “Wir hatten uns auch schon Gedanken zur Nutzung des Betriebsratsgebäudes gemacht, aber nicht so konkret wie hier (in den Plänen der BI )”, so Windhaus.

Modell: © Klaus Heiny Montage und Foto: © Albrecht Dennemann

Bauamtsleiter Dieter Salewski stellte heraus, das aus seiner Sicht die Pläne im Prinzip gleich seien. Allerdings betonte er, dass die Rahmenbedingungen mit dem Abriss des Ballenlagers, der Nutzung des Betriebsratsgebäudes und einer Option für einen zweiten Bauabschnitt andere seien. “Überrollt” sah sich der Bauamtsleiter nun von den Vorschlägen der BI, stuft sie aber als sehr interessant ein. Eigentlich habe sich die Verwaltung erst nach der Sommerpause mit den Planungen beschäftigen wollen – doch das könnte sich nun geändert haben. Laut Salewski liegt die Förderzusage noch nicht vor, aber man rechne nach wie or mit einem positiven Bescheid. Wenn Planungen und Bau europaweit ausgeschrieben werden müssten, könnte es allerdings sein, dass Büros damit beauftragt werden, die man heute noch nicht kenne.
“Super Präsentation”, lobte Bürgermeister Jörn Tüchter (Gruppe CDU/SL), schien sehr angetan und musste zugeben, dass sie sich gewundert, also nicht mit solch ausgearbeiteten Plänen gerechnet hatten. “Das sind für uns viele neue Erkenntnisse, die wir nun erst einmal beraten müssen”, so Tüchter. Vor der Präsentation im JSKI hatte die BI allen Fraktionen und auch der Verwaltung das Konzept vorgestellt.
Simone Schrader (Gruppe SPD/FDP) sieht die politischen Vorgaben mit den Plänen erfüllt. “Die Politik lässt sich gerne durch Inhalte beeindrucken – und das ist hier gelungen”, lobte Schrader. “Bürgerschaft hat sich hier engagiert”, stellte Ute Meier-Bergfeld sehr lobend heraus und kam zum Schluß: “Das kann etwas werden”.
In der Diskussion betonte die Verwaltung, dass sie auch weitere Fördermöglichkeiten  – wie “Soziale Integration im Quartier” – im Blick habe. Vom Land sei allerdings gesagt worden, dass man keinen weiteren Förderantrag stellen brauche. Ute Meier-Bergfeld entgegnete, dass man doch einen weiteren Förderantrag – beispielsweise im Rahmen des Programms “Soziale Integration im Quartier”  – stellen könne, um den zweiten Bauabschnitt zeitnäher umsetzen zu können und nicht erst in fünf bis zehn Jahren ohne Fördermittel. “Wir sind uns näher gekommen – Dialog ist besser als Monologe”, fasste Windhaus abschließend zusammen.
Zusammenfassung: 
BI, Politik und Verwaltung haben sich aufeinander zubewegt. Die BI verzichtet auf die ultimative Forderung nach der großen Lösung, aber eine Option darauf wird möglicherweise eingeplant. Die BI-Pläne bewegen sich im Rahmen der politischen Beschlüsse. Abzuwarten bleibt, ob die scheinbare Harmonie am Mittwochabend zwischen den Beteiligten Bestand haben wird, nur ein Strohfeuer ist, oder aber ein taktisches Spielchen. Die BI ist diplomatisch geschickt vorgegangen, zumal die Verwaltung – wie aus den üblichen gut informierten Kreisen zu hören war – eigentlich die Sitzung gar nicht abhalten wollte. Nicht für die BI, sondern für Schüttorf wurde etwas erreicht: Es geht voran und es könnte sich eine vernünftige, oder zumindest im Rahmen der Eckpfeiler umsetzbare Lösung abzeichnen.

 

 

ältere Sateliten-Aufnahme © Apple Karten
ältere Sateliten-Aufnahme © Apple Karten Modell: © Klaus Heiny Foto und Montage: © Albrecht Dennemann
Modell: © Klaus Heiny Foto: © Albrecht Dennemann

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