Ohne kauft Haus für Dorfgemeinschaft

stehend vlnr.: Projektleiter Thomas Nerlinger (Gesundheitsregion EUREGIO e.V.), Charlotte Ruschulte (Bürgermeisterin Ohne), Pascal Meier und Jan Beinke (beide Uni Osnabrück) Foto: ©Albrecht Dennemann

Dass ein kleines Dorf wie Ohne, ähnliche zukünftige Herausforderungen haben könnte wie Stadtteile von Großstädten, überraschte am Dienstagabend beim ersten Projektmeeting im Ohner Feuerwehrhaus: Mobilität, Nahversorgung, Wohnen im Alter, Gesundheitsdienstleistungen in der Nähe des Wohnortes. Das Projekt Dorfgemeinschaft 2.0 wurde vorgestellt und Anforderungen an einen Dorfladen diskutiert. Als “Reserve” für Seniorenbetreuung, Gesundheitsdiensleistungen, oder aber auch für einen möglichen neuen Standort eines Dorfladens, hatte die Gemeinde kürzlich vorsorglich ein Grundstück mit Gebäudekomplex erworben.

Haus Lamann Dorfladen, Altenbetreuung, Gesundheitsdienstleistungen? Foto: ©Albrecht Dennemann
Haus Lamann Foto: ©Albrecht Dennemann

Ohne. Handwerk, Werkstatt, Landwirtschaft, Tankstelle, Lebensmittel- und zuletzt Getränkehandel, das alles hatte zeitgleich, oder nacheinander Platz in dem kürzlich von der Gemeinde Ohne erworbenen Gebäudekomplex. Das Haus Lamann an der Ecke Schüttorfer Straße/Bentheimer Diek stand zum Verkauf und die Gemeinde griff zu. “Wir haben das Grundstück erst einmal als “Reserve” gekauft. Ob nun Dorfladen, oder für Gesundheitsdienstleistungen, Seniorenbetreuung, oder was auch immer, ist noch völlig offen”, erläuterte Bürgermeisterin Charlotte Ruschulte in ihrer Begrüßung. In dem ehemaligen Ladenlokal befindet sich schon die “Heimatsstube” des Heimatvereins für das Kirchspiel Ohne. Neben den Projektverantwortlichen, waren auch Ute Meyer-Bergfeld (Bündnis90/Die Grünen) und Hilde Mannebeck (CDU) in Vertretung für Samtgemeindebürgermeister Manfred Windhaus vor Ort, um sich über das Projekt zu informieren. 

Ohne hat mit dem Ohner Dorfladen zurzeit noch eine privatwirtschaftlich betriebene Nahversorgung. Zu einer Diskussion kam es nach der Projektvorstellung durch die wissenschaftliche Mitarbeiterin Friedhild Füser und die Mitarbeiter Pascal Meier und Jan Beinke der Uni Osnabrück. Schon eine eingeworfene Wortmeldung und Gegrummel unter den knapp 30 Ohnern und Gästen aus Dörenthe, hatten zuvor angedeutet, dass es da unterschiedliche Positionen geben könnte. Bis zum Renteneintritt hat das Betreiberehepaar Brüning noch etwas Zeit. Somit ist es nicht das drängendste Problem in Ohne. Laut Wortmeldungen gibt es dennoch Wünsche für Aufgaben und Angebote, die ein Dorfladen erfüllen könnte. “Eine Tasse Kaffee und eine Sitzgelegenheit sollten vorhanden sein, Annahme und Ausgabe von Paketsendungen”, und weitere wurden genannt. Wichtig scheint den Ohnern aber auch das Gespräch zu sein. In Zeiten des demographischen Wandels, in denen viele Außerhalb arbeiten und des seit einigen Jahren andauernden Rückzugs ins Privatleben, möchte man nicht auf den kurzen Plausch verzichten. Ob der Laden den Einwohnern auch so wichtig ist, dass er auch schon jetzt hinreichend Umsätze hergibt, mag ein anderes Blatt sein. Ziel soll laut der Projektverantwortlichen nicht sein, den jetzigen Dorfladen “auszubooten”, sondern ein langfristiges Konzept zur Erhaltung der Nahversorgung zu erarbeiten. In dem Zusammenhang wurde ein Genossenschaftsmodell andiskutiert. Verwiesen wurde auf einen bereits erfolgten Besichtigungstermin in Otersen, wo solch eine Genossenschaft bereits besteht. Der dortige Mitinitiator Günter Lühning soll zu einem Vortrag eingeladen werden. Lühning ist auch Vorsitzender des bundesweiten  “Dorfladen-Netzwerk“.

Dorfgemeinschaft 2.0 Foto: ©Albrecht Dennemann
Dorfgemeinschaft 2.0 Foto: ©Albrecht Dennemann

Pascal Meier und Jan Beinke von der Uni Osnabrück stellten ihre Überlegungen zu einer Befragung vor. Dabei stellte sich aber auch heraus, da sie die Befragung ohne Berücksichtigung der Ohner Verhältnisse konzipiert hatten, dass möglicherweise nachjustiert werden muss. Entworfen war die Befragung auch nicht allein für Ohne, sondern für mehrere Gemeinden im Untersuchungsgebiet Grafschaft Bentheim und südliches Emsland. Wissenschaftlich soll nun auf das Dorf geschaut werden. Aus der Analyse der geplanten Umfrage zum Thema Dorfladen, sollen dann Handlungsoptionen erarbeitet werden. In weiteren Befragungen sollen dann andere Themenbereiche abgearbeitet werden.
Bei dem Projekt “Dorfgemeinschaft 2.0” geht es bis 2020 darum, durch Befragungen herauszufinden wo der Schuh drückt und Handlungsleitlinien zu entwickeln. Ziel ist es, das Leben auf dem Lande unter sich stark verändernden Rahmenbedingungen zu ermöglichen, oder weiterhin möglich zu halten. Dies betrifft sowohl Kinder, junge Familien, aber auch Senioren. Deshalb sollten nach Möglichkeit alle Haushalte und so viele Personen wie möglich an der Befragung teilnehmen.

In der Projektbeschreibung heißt es dazu:

Ausgabe von Fragebögen durch Friedhild Füser, die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projektes Foto: ©Albrecht Dennemann
Ausgabe von Fragebögen durch Friedhild Füser, die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projektes
Foto: ©Albrecht Dennemann

Innovationen für Kommunen und Regionen im demografischen Wandel (InnovaKomm)
Der demografische Wandel verändert Deutschland. Insbesondere ältere Menschen stehen vor großen Herausforderungen, beispielsweise bei der Versorgung mit gesundheitlichen und sozialen Leistungen oder mit Blick auf Angebote für die persönliche Mobilität.
Aus diesem Grund hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Wettbewerb „Innovationen für Kommunen und Regionen im demografischen Wandel – InnovaKomm“ initiiert. Am 01.11.2015 starteten fünf Forschungsprojekte (darunter Dorfgemeinschaft 2.0), um zu erkunden, wie die Lebensqualität der Menschen vor Ort erhalten und verbessert werden kann. Das BMBF unterstützt diese bis Oktober 2020 mit insgesamt rund 23 Millionen Euro. Für den Bereich Grafschaft Bentheim und südliches Emsland stehen 5,28 Millionen Euro zur Verfügung. Untersucht werden neben Ohne, Neuenhaus, Brandlecht und eine weitere Samtgemeinde in der Grafschaft und Spelle im Emsland. Damit finanziert werden keine Investitionen, sondern die Befragungen und Analysen. Erstmalig präsentieren sich die fünf Forschungsprojekte auf dem Zukunft Lebensräume Kongress 2016. Der interdisziplinäre Kongress als branchenübergreifende Messe mit Assistenz-Technologien für Gesundheit, Selbständigkeit und Komfort findet vom 20. bis 21.04.2016 in Frankfurt statt.
Die Lebensräume von morgen werden durch vernetzte, autonome und assistierende Systeme verbunden sein. Haus, Wohnung, Büro, Verkehrsmittel oder der öffentliche Raum werden zu Gesundheitsorten. Assistenz-Technologien ermöglichen einen fließenden Übergang von komfortabler Gesundheitsunterstützung bis hin zu medizinischer oder pflegerischer Versorgung. Lebensmodelle, Demografie und Begeisterung für smarte Technologien führen dazu, dass bislang getrenntes zusammenwächst.

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